Kulturschock in Australien und Weihnachten am Strand

Our Christmas-bike tour along the Melbourne Beaches

Unsere weihnachtliche Radtour entlang der Strände von Melbourne und umzu

Kulturschock in Australien und Weihnachten am Strand

Land: Australien

Draus gelernt: Die Radlerwelt ist klein und Bekannte trifft man überall

Drüber gelacht: Australische Diminutive

Schönstes kleines Wunder: Weihnachten am Strand

Gegessen: Kängurufleisch, Kartoffelsalat, Meeresfrüchte, Käsekuchen, Salate und Zaziki

Größte Herausforderung: Quark finden

Insgesamt bis Melbourne geradelte Kilometer: 14464,01

Dezember 2013: Mit dem Fahrrad nach Australien

 

Wir machen uns also auf den Weg in die Stadt. Der Flughafen liegt nicht ganz so weit außerhalb wie der von Kuala Lumpur. Immerhin fährt man weiter auf der linken Straßenseite. Ein junger australischer Radler namens Mohammed zeigt uns die richtige Straße und schon rumpeln wir gemächlich die Straße entlang. Die Winterausrüstung, die über einen Monat unangetastet bei Apit zu Hause lagerte, drückt auf die Reifen und ich fühle mich als hätte ich seit Jahren kein bepacktes Rad mehr gefahren. Malaysia, Singapur und Indonesien sind wir mit reduziertem Gepäck erradelt. Es kommt mir vor als sei ich vom Fahrersitz eines Smarts direkt in die Fahrerkabine eines dicken LKWs gesprungen und alles dauert einfach etwas länger.

Melbourne by bike

Melbourne Stadtzentrum

Wir fahren ein paar Kilometer, da strahlt mir ein bekanntes Logo entgegen. Aldi! Nichts wie hin. Ich könnte es stundenlang im Aldi aushalten. Roberto hat Hunger und will die Leckereien lieber essen statt angucken. Also kaufen wir schnell Zaziki, Wurst, Kartoffelsalat und Brot und setzen uns damit auf die Bank vor dem Laden. Die Sonne knallt nun stark und wir futtern und schmatzen genüsslich, während wir die Passanten beobachten.

Aldi in Melbourne

Ein bisschen wie zu Hause

Eine junge Frau schleppt einen riesigen Fernseher über den Parkplatz. Ein älterer Mann fragt ob er ihr helfen kann. Sie lehnt dankend ab. Dann wünschen sich die beiden frohe Weihnachten und gehen jeder in seine Richtung weiter.

Ich bin begeistert. Die Leute sind so hilfsbereit!

Lost in the city park of Melbourne

Irgendwo im Stadtpark

Wir essen auf und radeln weiter. Wo auch immer wir Vorfahrt haben, wird sie uns auch gewährt. Und das obwohl wir auf dem Fahrrad sitzen. Juhu! Wir zählen als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer! Irgendwie landen wir in einem großen Park und finden nicht mehr raus.

Bike path along the river

Radweg am Fluss entlang

Mehrere Leute halten, erklären uns die kürzeste Route, die schönste, die fahrradfreundlichste, die Sehenswürdigkeiten am Wegesrand und vergewissern sich sogar noch mit ihrem Handy und google maps, dass alles seine Richtigkeit hat.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Sherlocks WG im ruhigen Stadtteil Fitzroy North. Wir haben Sherlock seit unserem Blutegelabenteuer in Thailand nicht mehr gesehen und sind richtig aufgeregt. Die Mitbewohnerinnen Eloise, Sarah und Cher heißen uns willkommen und wir sind froh, endlich angekommen zu sein.

Sherlock, Eloise y Sarah

Sherlock und seine Mitbewohner Eloise und Sarah

Kaum 10 Minuten später bekommt Sherlock einen Anruf von seiner Arbeitskollegin. Sie beherbergt auch gerade zwei Radler. Sherlock telefoniert einen Moment und dreht sich dann zu uns um. Wir können es kaum glauben, als er uns erklärt dass die Gäste seiner Kollegin keine anderen sind als Bärbel und Johan. Den beiden sind wir nun schon seit Ende Juni auf den Fersen und haben uns immer wieder verpasst. Wir verabreden uns in einem Pub in der Nähe und quatschen was das Zeug hält.

Finally we met Bärbel and Johan!

Endlich lernen wir Bärbel und Johan persönlich kennen!

Am nächsten Morgen wache ich erst um 14.30 Uhr auf. So spät schon? Ich erschrecke so sehr, dass ich wirklich aufwache. In der Realität ist es erst 12.30 Uhr. In Malaysia wäre es erst 9.30 Uhr. In Deutschland sogar 2.30 Uhr morgens. Verglichen mit meinem Traum ist das noch ganz in Ordnung. Ich habe 12 Stunden durchgeschlafen.

Die Sonne knallt aber im Schatten ist es frisch. Wir erkunden den Garten und Roberto baut Sherlocks neuen Grill auf.

Roberto and the "Barbie"

Roberto aund der “Barbie”-Grill

Statt Barbeque nennen die Australier ihren Grill Barbie. Statt Bier Wein und Schnaps sagen sie Grog und statt Frühstück (Breakfast) Brekkie. Abendessen heißt „tea“ und Tee heißt „cuppa“, abgeleitet von der schnellen Aussprache von „Cup of [tea]“, Tasse Tee. Die große Kühlbox in der Eiswüfel, Bier und weiterer „Grog“ lagern heißt Eskie. Ob das von Eskimo kommt? Ich finde Australisch irgendwie niedlich.

Wir haben einen gemütlichen Abend mit der WG, Freunden, jeder Menge Salaten, Grog, Känguru-Schaschlik und Quizzies.

Aussie Barbie with Roos

Australisches “Barbie” mit “Roos”

Eines Morgens finden wir Robertos Helm nicht mehr wieder. Wir stellen das ganze Haus auf den Kopf, doch er will nicht auftauchen. Erst als wir bemerken, dass auch mein Vorderkorb fehlt und beide Vorderlichter lose sind, wird uns klar, dass wir bestohlen wurden. Mein alter Helm vom Lidl baumelt noch am Lenker. Da war wohl ein Kenner am Werk.

Wir ärgern uns besonders über den Korb. Der hat kaum 10 € gekostet, aber es hat Monate gedauert bis ich einen gefunden habe, der groß genug und stabil ist und wirklich an meinen Lenker und zu meinem Fahrrad passt.

Local birds

Heimische Vögel

Da hätte ich mir lieber 20 € klauen lassen, davon hätten die Diebe sich zwei Körbe kaufen können. Zum Glück hat Eloise noch einen Ersatzhelm, denn im Staat Victoria herrscht Helmpflicht.

Ohne Korb erkunden wir die Stadt. Wir sind bei weitem nicht die einzigen Radler.

Cycling along the "Capital City Trail", one of Melbourne's longest bike trails

Entlang des “Capital City Trail”,einem von Melbourne’s längsten Radwegen

Die meisten anderen fahren schicke bunte Vintage Räder mit Rennradlenkern und Brooks Sätteln. An den Seiten des Gepäckträgers schlackern Limited Edition Ortlieb Taschen aus den 90ern. Style zählt. Das sieht man auch an den Outfits der Radler. Abgeschnittene Jeans mit Fransen, hautenge Hosen, Nerdbrillen ohne Gläser, hochgezogene blaue Socken, karierte Hemden, selbstgestrickte Schals, bunte exotische aber doch simple Tücher, Hosenträger und riesige Kopfhörer sind ein Muss wenn man in der Hipster-Szene aufgenommen werden will.. Die Helmpflicht wird kreativ aufgenommen. Skaterhelme sind in. Am besten selbst bemalt oder mit selbstgestrickter Haube drüber.

Save the Possums!

Rettet die Beutelratten!

Und ich glaube ich habe noch nie so viele bärtige Männer gesehen. Rasieren ist anscheinend eben nicht mehr in. Die Frauen wursteln sich die Haare zu einem sehr wuscheligen Dutt ganz oben am Kopf zusammen. Viele rasieren sich eine Seite des Kopfs kahl. Und so viele Tattoos! Sogar unser Grenzbeamte hatte zwei riesige an Arm und Hand.

Melbourne's famous reading room in the Library

Der Lesesaal in Melbourne’s berühmter Bibliothek

Roberto uns ich fragen uns, zu welcher Subgruppe wir mit unserem Style und unseren Einstellungen wohl passen. Wir finden keine Antwort.

Zum Glück sind die Hipster (die ja eigentlich selbst gar keine Hipster sind) auch für echte nicht-Hipster offen und wir lernen schnell jede Menge Leute kennen.

Melbourne's bike trails

Melbourne’s Radwege

Nach ein paar Tagen ziehen wir bei Sherlock und seiner wunderbaren WG aus. Fiona hat uns eingeladen. Fiona ist die Mutter von Mark und Chrissie, die wir 2012 in Kirgisistan an der Grenze zu China kennen gelernt haben. Sie haben gezwungenermaßen ihr erstes Hochzeitsjubiläum mit uns gemeinsam in Etagenbetten im Niemandsland an der kirgisisch-chinesischen Grenze verbracht. Das schweißt zusammen. Chrissie und Mark wohnen in Sydney und Marks Mutter Fiona wohnt mit ihrer Schwester Vanessa in Melbourne.

Vanessa, Fiona, Hund Fev und Katze Bruce heißen uns willkommen. Sie wohnen in einem wunderschönen Haus mit Garten und werfen Abends den Grill an. Es gibt mittelöstliches „Barbie“.

Christmas mood in summer

Wir sind voll im Weihnachtsmodus

Bei ihnen bleiben wir bis nach Weihnachten. Wir backen und kochen viel, ich in Weihnachtsmannmütze und mit Rolf Zuckowskis Weihnachtsbäckerei im Hintergrund, sie mit Tannenbaumohrringen.

Für Weihnachten ist bestes Wetter gemeldet. Wir wollen am Strand feiern. Fiona und Vanessa auch. Wir fühlen uns geehrt, als die Schwestern uns einladen, den Tag mit der Familie zu verbringen, da wir wissen, dass Weihnachten eines der wichtigsten Familienfeste ist.

Gingerbread Roberto

Roberto der Lebkuchenmann

Das typische australische Weihnachtsessen ist weder Ente noch Gans oder Truthahn. An Weihnachten gibt es Meeresfrüchte. Und die sind begehrt. Um frische zu Weihnachten zu bekommen, fahren wir am 24.12. morgens um 6 zum Markt. Man muss schnell sein, denn wer nach 8 Uhr auf dem Markt ist, läuft Gefahr, dass schon alle Meeresfrüchte ausverkauft sind. Wir haben Glück und kriegen Meeresfrüchte und sogar Quark. Den habe ich in der ganzen Stadt gesucht. Nur auf dem Markt gibt es welchen. 13 Dollar soll ein halbes Kilo kosten. Das ist 21x mehr als zu Hause. Was in manchen Ländern ein paar Cent kostet gilt in anderen Ländern als Delikatesse.

Encounter with Santa Claus

Treffen mit Santa Claus

Den 24.12. verbringen wir mit dem Schreiben der Weihnachtskarten, backen zwei Kuchen und packen ein paar Mitbringsel in Geschenkpapier ein.

Am 25.12. stehen wir früh auf. 47 Kilometer sind es bis zum Strandhaus von Fionas und Vanessas Schwester Thalia. Wir wollen radeln. Fiona, Vanessa, Vanessas Sohn Tom und seine Freundin Sarah fahren mit dem Auto. Der Weg ist vielfältig, es geht durch die Stadt, den Hafen, an verschiedenen Strandpromenaden entlang und durch die Dünen.

How to behave on the beach promenade

Verhaltensregeln auf der Strandpromenade

Wir treffen einen grillenden Kambodschaner mit seiner Familie im Weihnachtsmannoutfit, einen jungen australischen Vater, der dieses Jahr zum ersten Mal selbst das Weihnachtsessen vorbereitet hat und einen Uruguayer der seinen Hund Gassi führt. Außerdem sehen wir zwei Delfine.

Cambodian Santa Claus

Kambodschanischer Weihnachtsmann

Pünktlich zum Mittagessen erreichen wir den Vorort Chelsea. Es gibt Garnelen mit Kokosmilchsoße, gefülltes Huhn, Schinken, zwei Salate, Spargel und Kartoffelsalat.

Cycling through the dunes

Ab durch die Dünen

Nachmittags spielen wir am Strand Boccia und Frisbee, lassen Vanessas neuen Drachen steigen und plantschen im hüfttiefen Wasser. Anschließend will Roberto seine Guacamole frisch zubereiten.

The Chelsea beach houses

Die Strandhäuser

„Wir sind noch soooo satt!“, jammern alle. Trotzdem dauert es kaum 10 Minuten bis wir den letzten Krümel weggeputzt haben.

"The Beach"

“The Chelsea Beach”

Dann gibt es Nachtisch. Mein Pfirsich-Käsekuchen kommt sehr gut an. In den Quark zu investieren hat sich gelohnt. Die drei Schwestern haben Pavlova vorbereitet, eine Torte so pompös wie ich sie sonst nur von Hochzeiten kenne.

Tom and Sarah in the little beach paradise

Tom und Sarah inunserem kleinen Strandparadies

Pavlova ist eine vierstöckige Torte mit steifem Eischnee, Sahne und jeder menge Beeren. Sie sieht nicht nur betörend aus, sondern schmeckt auch grandios.

Pavlova Time!

Pavlova!

Zum Sonnenuntergang kehren wir an den Strand zurück. Chelsea liegt in einer fast kreisförmigen Bucht an der Westküste und wir können sehen wie die Sonne in den Wellen verschwindet.

Von nun an werden wir der Ostküste folgen, das war wohl unser erster und letzter Meeressonnenuntergang in Australien.

A beautiful Sunset in the sea

Sonnenuntergang im Meer

Bald verabschieden wir uns von Fiona, Vanessa, Bruce und Fev und ziehen zu Andrea. Sie kommt aus Cuernavaca, Mexiko und arbeitet neben ihrem Masterstudium in einem mexikanischen Restaurant das wir durch Zufall entdeckt haben. Wir bleiben ein paar Tage bei ihr und wollen auch Silvester mit ihr und ihren Freunden feiern. Nach dem zugegebenermaßen außergewöhnlichen, aber dennoch sehr kurzen Silvesterabend im Vorjahr haben wir dieses Mal Lust auf Party.

White christmas? Well, the hot sand on the beach was rather bright.

Weiße Weihnachten? Immerhin war der heiße Sand am Strand fast weiß.

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