Mit dem Rad nach Singapur: Wenn einfach alles genial ist

Most parts of Singapore are rather fine for cycling - but some touristy spots must be walked.

Der grüßte Teil Singapurs ist recht fahrradfreundlich. Ausnahmen bilden die Touristenecken.

Land: Singapur und Indonesien

Von Singapur nach Batam Centre

Draus gelernt: Alte ausgelutsche Fahrradteile können von großem Wert sein.

Drüber gelacht: Blödsinn den man sich im Halbschlaf zusammenreimt

Schönstens kleines Wunder: Viel zu viele um hier Platz zu haben

Gegessen: Sushi, japanisches und mexikanisches Essen, Meeresfrüchte und Vollkornbrot mit Ei

Größte Herausforderung: Dem Ticketverkäufer zu erklären, dass Mexikaner wirklich kein Visum brauchen

Geradelte Tage: 1

Geradelte Kilometer: 5,52

Insgesamt bis Singapur geradelte Kilometer: 13892,61

Reisetage von Bremen bis Batam: 784

Mit dem Rad nach Singapur. Dezember 2013

Ich wache auf. Panik! Es ist hell, die Sonne scheint, wir haben verschlafen! Schnell, schnell, wir müssen packen! Erst als ich anfange, meine Sachen zu suchen und sie im Schrank finde, fällt mir ein, wo wir sind und dass der Wettlauf gegen die Zeit ein Ende hat. Ebenso der Halbschlaf, in dem ich mich bis eben noch befand. Wir sind in Akiras Gästezimmer in Singapur und können heute schlafen, so viel wir wollen. Wir haben es rechtzeitig über die Grenze geschafft und haben jede Menge Visazeit.

Japanese dinner with our friend Akira

Japanisches Abendessen mit unserem Freund Akira.

Ich bin vom Schreck allerdings hellwach und mache mich fertig, um Akiras Dachterrasse zu erkunden. Es ist ein Wochentag und wir sind die Einzigen auf dem großen flachen Dach der Wohnanlage. Die Entscheidung fällt nicht leicht. Sollen wir erst ins Dampfbad und dann ein paar Runden im 70 Meter langen Pool schwimmen um anschließend im Whirlpool zu relaxen oder starten wir besser mit dem Sport und belohnen uns anschließend mit einer Runde schwitzen und sitzen? Ich kann mein Glück nicht so recht fassen und schwimme mehr als 2 Kilometer nonstop.

A 75 Meter long swimming pool in Singapore

Ich traue meinen Augen kaum – wir haben 70 Meter Wasser ganz für uns

Wir haben eine klasse Zeit mit Akira, gehen japanisch Essen, kochen mexikanisch und ich finde sogar Vollkornbrot, das ich in Eierstullen verwandle. Zwischendurch treffen wir unsere Freunde Dila und Apit, kaufen endlich einen neuen Mantel für Roberto (der alte war schon so dünn, dass der Pannenschutz sichtbar war) und arbeiten unsere to-do-Liste ab.

Während wir noch in Malaysia mit den Hügeln kämpften, ist bei Dila schon das Paket von Reelight aus Dänemark angekommen. Wir sind völlig aufgeregt und installieren die neuen Lichter sofort. Angetrieben werden sie mit einem Dynamo, der das Rad nie berührt.

Installing the reelights. Now we are prepared for anything

Wir bauen die Reelights an und brauchen uns von nun an nicht mehr vor der Dunkelheit zu fürchten.

Er führt an sechs Magneten vorbei, die an den Speichen befestigt werden und bringt so Licht ohne Reibung zu erzeugen oder Batterien zu fressen. Nun brauchen wir keine Angst mehr vor Nebel, unbeleuchteten Tunneln, starkem Regen oder dem Sonnenuntergang zu haben, denn unsere Lichter sind stark. In Singapur sind die meisten Straßen nachts beleuchtet, dennoch sind wir froh mit den Lichtern besser gesehen zu werden. Auf dem Land können wir bald sogar nachts Zeltplätze suchen.

Sushi is my absolute favorite food and Akire showed us how many varieties there are in Japanese food.

Sushi ist mein absolutes Lieblingsessen. Akira zeigt uns, wie facettenreich die Japanische Küche ist un dass es ehr gibt als rohen Fisch, Algen und Wasabi.

Nicht ein Mal nutzen wir den öffentlichen Verkehr und ich schätze dass wir in einer guten Woche etwa 150-200 Kilometer quer durch Singapur radeln. Wir lernen den Osten des Landes / der Stadt / der Insel kennen, indem wir zur Food und Electronics Messe radeln, wo ich nach langer Suche endlich einen neuen Laptop finde. Später in Neuseeland und Australien werden solche Anschaffungen um einiges teurer ausfallen. Klasse, nun kann ich von überall arbeiten und das W-Lan nutzen. Im Sim-Lim Square finden wir ein neues Objektiv für Robertos Kamera und wir sind sicher, nun schneller und effektiver arbeiten zu können.

Have you imagined a bike path like this in Singapore? On our right there plenty of trucks, buses and some cars, on our left a calm lake. Singapore has it all.

Singapur ist mehr als teure Restaurants, Einkaufszentren und Hotels. Auf dem Weg vom Industriegebiet nach “Hause” radeln wir am See entlang.

Später treffen wir uns mit Swee, einem leidenschaftlichen Radler, der jeden Tag seine beiden Töchter mit einem Dreier-Tandem zur Schule bringt, um den Singapurern zu zeigen, dass man das Rad auch als Transportmittel und nicht nur als Sportgerät nutzen kann. Kennen gelernt haben wir ihn durch Bärbel und Johan aus Deutschland und Holland, an denen wir seit Monaten permanent vorbeifahren, ohne sie je zu treffen, und Philip und Pascale aus der Schweiz, die wir in Griechenland, der Türkei und Thailand getroffen haben.

Lunch with Swee. We are so happy that we have met him!

Chinesisches Mittagessen mit Swee. Wir warten 45 Minuten auf ihn und er wartet 45 Minuten auf uns. Schlussendlich treffen wir uns doch noch.

Swee ist vor neun Jahren selbst von Norwegen zurück nach Hause geradelt und wir haben jede Menge Gesprächsstoff. Am nächsten Tag erzählt Swee uns, dass er mal für die Shimano Fabrik in Singapur gearbeitet hat, die erste Shimano Fabrik, die außerhalb Japans eröffnet wurde. Er hat seinem ehemaligen Chef von uns und unseren Rädern erzählt und dieser ist ganz wild darauf, unsere Räder und ihre alten originalen Shimano Teile zu sehen, mit denen wir knapp 14.000 Kilometer mit Gepäck (und wer weiß, wie viele Kilometer ohne Gepäck) gefahren sind. Da wir beide Räder gebraucht gekauft haben, wissen wir nicht, wie viele Kilometer sie damals schon auf dem Buckel hatten.

Before ...

Vorher …

Für Swees Chef sind unsere Räder eine gute Gelegenheit, um die Schwächen und Stärken, seiner weniger teuren Teile kennen zu lernen. Wir sind fast täglich durch Regen, Sonne, Dreck, Staub und Schnee gefahren und er will die Teile ausbauen und genaustens unter die Lupe nehmen. Da wir aber ohne Umwerfer und co schlecht weiterfahren können, will er unsere Räder umbauen. Gratis! Wir können unser Glück kaum fassen. Zwei Shimano Mechaniker legen persönlich Hand an unsere alten Mühlen an und statten sie mit dem Besten aus, was die Fabrik zu bieten hat. Einfach so.

... and after

… und nachher

Wir bekommen in der Zwischenzeit eine Tour durch die Fabrik und fahren mit Swee mit dem Bus (zum ersten Mal) zum Mittagessen. Als wir wiederkommen, sind die Räder noch immer nicht fertig. Geschlagene sieben Stunden arbeiten die Mechaniker, bevor wir unsere Schmuckstücke Probe fahren können. Vom Kabelschutz übers Ritzelpaket bis hin zu den Vorderbremsen – alles glänzt und scheint nagelneu. Ich habe nun 27 Gänge zwischen denen ich wählen kann und die Schaltung funktioniert so astrein, dass ich nur noch leicht tippen muss, um den Gang zu wechseln. Vorbei sind die Tage mit quietschenden Umwerfern und Muskelkater im Daumen vom Schalten.

The most expensive hotel ever to be constructed: Singapore got it all.

Das Hotel, dessen Produktionskosten weltweit die höchsten waren. In Singapur gibt es jeden erdenklichen Luxus.

Wir fahren noch am gleichen Abend zum Hafen um auf die indonesische Insel Batam überzusetzen. Der Verkäufer schüttelt den Kopf als er Robertos Pass sieht. „Sie brauchen ein Visum“, meckert er. „Brauche ich auch nicht“ „Doch, das brauchen Sie“ „Nein, ich kriege ein Visum wenn ich ankomme“ „Nein, kriegen sie nicht“ „Doch, ganz bestimmt!“. Die beiden streiten ein wenig hin und her, als ich sehe, dass der junge Mann neben uns seinen Pass in einer Corona-Hülle schützt. Der Ticketverkäufer überprüft seine Papiere nochmal und findet überraschend heraus, dass Roberto doch kein Visum braucht. „Und der nette Mann hier drüben braucht bestimmt auch keines“, kann ich mir nicht mehr verkneifen und zeige auf den Corona-Pass. Der Mann, der sich als Erik rausstellt, grinst übers ganze Gesicht. Er ist US-Amerikaner Mexikanischen Ursprungs und kann kaum glauben, dass er da wirklich einen waschechten Mexikaner vor sich hat. „Endlich kann ich wieder Spanisch sprechen!“ freut er sich.

Boaz und Roberto

Boaz und Roberto

Erik kauft Bier, um die Fahrt zu verkürzen und wir quatschen ununterbrochen. S wie die Fähre sich bewegt, hatte der Kapitän wohl auch die eine oder andere Dose Bier. Als wir das Terminal erreichen, wartet unser Gastgeber Boaz aus Australien schon auf uns. Er ist ein 21-jähriger Englischlehrer und freute sich schon seit Tagen darauf, uns kennen zu lernen. Uns ging es genauso. Erik lädt uns alle spontan zu nächsten Tag zum Grillen bei sich zu Hause ein.

Für den nächsten tag hat Boaz bereits einige Pläne geschmiedet. Gemeinsam mit ein paar Freunden wandern wir zu einem Wasserfall. Austin, Samantha, Joe und Jennifer aus den USA sind für ein kulturelles Austauschprogramm in Batam, ihre Betreuerin Katie, die Taxifahrerin Dian, ihre Freundin Ani und Daniel, ein junger Grafikdesigner, schließen sich uns an.

Hiking to Batam's waterfall

Eine Stunde Fußmarsch zu Batams Wasserfall.

Wir laufen durch schmale Waldwege, überqueren zwei enge Baumstammbrücken und eine Unterwasserbrücke bevor wir nach einer guten Stunde den Wasserfall erreichen. Nun wird geschwommen und gesprungen was das Zeug hält. Da wir früh aufgebrochen sind, schaffen wir es bis zum Mittag zurück, wo Roberto, Boaz und ich uns ein Power-Mittagsschläfchen gönnen. Eric, den wir seit kaum 24 Stunden kennen, beschließt, unbekannterweise auch unsere neuen Freunde zum Grillen einzuladen und bald futtern wir alle mit Boaz‘ Kollegen Jack scharfe Guacamole, indonesische Suppe und selbstgemachte Tortillas.

The waterfall expedition's group

Die ganze Truppe

Erics Frau passt gut auf, dass niemand je ein leeres Glas hält und ihre Tante stellt die leckersten Snacks auf den Tisch, während Roberto und Eric grillen. Wir haben so viel Spaß, dass es weit nach Mitternacht ist, als wir den Heimweg antreten. In nur 24 Stunden haben wir so viele gute Freunde kennen gelernt, dass wir es selbst noch nicht so recht fassen können.

Roberto helps Retno and Eric with the meat

Roberto hilft Retno und Eric mit dem Fleisch

Wir arbeiten tagsüber und verbringen die Abende mit unseren Freunden. Am zweiten Wochenende fahren wir gemeinsam mit Boaz‘ Vater Phil, seiner Partnerin Reni, Daniels Bruder Gideon und Boaz‘ Freunden Emily und Jordan zu einem verlassenen vietnamesischen Zufluchtsort. Über mehrere Brücken ist die Hauptinsel von Batam mit der Insel des Refugiums verbunden. Für Phil und Boaz ist es der zweite Besuch dort und sie erklären uns alles. Nachts gehen wir ins Kino – zum zweiten Mal in einer Woche.

Barbecue at Eric's and Retno's place

Das Grillteam

Nun werden wir uns auf den Weg zum Hafen machen, um eine Fähre zum Festland von Sumatra zu finden. Wir sind gespannt.

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  1. Das sieht soo gut aus! Wir freuen uns auf all das was uns erwartet in Südostasien. 🙂 liebe Grüsse aus der Türkei und euch gute Weiterreise!

  2. Bernd Harbeck says:

    Wow, großes Kompliment und meine tiefe Verneigung was ihr macht ! Habe gerade ” Zwei nach Shanghei ” durch und lese gerade ” 157 Plattfüße / 52000 km im Fahrradsattel ” Ich komme aus den stauen nicht mehr herraus. Ich wünsche euch viel Glück bei der Weiterreise .

    P.s Habe heute den Artikel in der Nordsee Zeitung von euch gelesen. Viele Grüße aus Bremerhaven und bleibt Gesund

    Bernd 🙂

    • admin admin says:

      Hallo Bernd,
      danke fürs Kompliment! Ich hoffe, eines Tages können auch wir so etwas veröffentlichen. Aber erst müssen die Abenteuer erlebt werden, mit denen sich die Seiten dann füllen lassen.
      Viele Grüße aus Australien, neue Blogeinträge aus Indonesien kommen bald!
      Annika

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