Mit dem Rad durch Malaysia Teil 3: Gewitterland

Roberto takes an instant shower. Fortunately without curious audience.

Robertogönnt sich eine schnelle Dusche. Zum Glück diesmal ohne neugierige Zuschauer.

Land: Malaysia und Singapur

Von Klang nach Singapur

Draus gelernt: Schlafplatz finden, bevor das Gewitter losgeht, nicht mittendrin.

Drüber gelacht: Leute die vorm Regen wegrennen, als wären sie aus Zucker

Schönstens kleines Wunder: Das fünf-Sterne Karaoke-Restaurant

Gegessen: Meeresfrüchte, gebratener Reis, Sushi, Deutsches Frühstück, Pizza

Größte Herausforderung: Mickael und Julien in Johor Bahru zu finden

Geradelte Tage: 6

Geradelte Kilometer: 468,41

Insgesamt bis Singapur geradelte Kilometer: 13882,09

Reisetage von Bremen bis Singapur: 775

Mit dem Rad durch Malaysia

Wir belohnen uns für die Mühen des Tages mit einer käsigen Pizza. Wie ich doch Milchprodukte vermisse! Manchmal träume ich von Eimern voll Joghurt, wie es sie in der Türkei gab.

Cycling Malaysia

Durch Malaysia

Bis zum German Malaysia Institute (GMI) ist es kein weiter Weg, doch wenn wir den Stadtverkehr um Kuala Lumpur herum umgehen wollen, müssen wir einen Umweg fahren.

Nach unserem kalorienreichen Frühstück kommen wir nicht so recht in die Gänge und radeln erst spät los. Die erste lange Teepause kommt bald und bevor wir es merken, geht schon die Sonne unter, dabei haben wir erst die Hälfte der Strecke hinter uns. Wir geben Gas um das letzte bisschen Tageslicht auszunutzen und halten erst zum Abendessen an, als es schon stockfinster ist. Dunkler wird es nicht mehr, a können wir genauso gut Zeit verschwenden und Kraft tanken.

Nach 72 Kilometern erreichen wir Bangi, wo Mirjam und Natalie schon auf uns warten. Wir fallen direkt ins Bett und schlafen an unserem ersten Ruhetag ordentlich aus.

The GMI students and us

Die Schüler des GMI und wir

Das GMI ist eine Berufsschule für Malaysier, die in Deutschland Ingenieurswesen studieren wollen. Wir verbringen den Tag in der Bibliothek, wo wir unsere Präsentation noch einmal überarbeiten.

Die Präsentation läuft gut, die Schüler hören gefesselt zu und trauen sich, unsere Quizfragen zu beantworten. Einer der Schüler plant selbst für seine Winterferien mit dem Rad durch Malaysia zu fahren – und eines Tages noch weiter.

Wir verbringen einen weiteren Ruhetag mit Mirjam, ihren Kollegen Julia, Natalie und Max, sowie Apit, der in Kuala Lumpur ein Meeting hatte und uns im GMI besucht. Für ihn war es dir dritte Präsentation und er ist dennoch wach geblieben.

Power-breakfast with Mirjam

Power-Frühstück von und mit Mirjam

Dank Mirjam fühlen wir uns ganz wie zu Hause und als wir noch mit einem leckeren deutschen Frühstück am Abschiedstag überrascht werden, ist klar, dass wir wieder kommen. Das GMI liegt zwischen Kuala Lumpur und dem Flughafen und spätestens Mitte Dezember sind wir zurück, bevor wir nach Australien weiterfahren.

Hinter Bangi und Kajang wird es grün und hügelig und wieder tröpfelt es. Oft fragen sich die Malaysier, was wir denn tun, wenn es unerwartet regnet. Nun, wir radeln weiter. Diese Antwort verwundert viele Menschen. Wie kann man den im Regen einfach draußen bleiben und nicht in einen geschützten Raum flüchten? Ganz einfach: wenn wir in der Sonne radeln sind die Klamotten nassgeschwitzt. Regnet es, so werden wir nassgeregnet. Ich persönlich bevorzuge Regenwasser.

Abends zieht ein Gewitter auf. Wir fühlen die gewittrige Stimmung schon eine gute Stunde vorher, doch wir vertrauen darauf, bei Sonnenuntergang ein gemütliches Plätzchen zu finden. Falsch gedacht. Nach Sonnenuntergang regnet es wie aus Eimern und Blitz und Donner folgen einander in kurzen Abständen. Es donnert so laut, dass ich jedes Mal vor Schreck kreische. Einen Schlafplatz haben wir noch nicht gefunden. Zelten möchte ich nur ungern, lieber wäre mit ein Dach mit Blitzableiter, doch heute werden wir nehmen müssen, was kommt. Als wir beschließen, uns bei einem Tee aufzuwärmen, fragt Roberto auf gut Glück bei Mad Azuan, dem Besitzer des kleinen Straßencafés nach einem Zeltplatz.

La Noche con

Es ist einigermaßen windstill. Da tun’s auch Steine statt Heringen.

Wir haben Glück und dürfen sogar unterm Wellblechdach schlafen. Als das Zelt steht, ist das Gewitter vorbei.

Wir essen gebratene Nudeln und sehen eine Doku über philippinische Kampfhähne, während wir darauf warten, dass die Luft abkühlt. Der starke Regen hat nicht wirklich geholfen. Um 21.30 klettern wir ins Zelt, nur um eine halbe Stunde später nassgeschwitzt wieder im Café zu sitzen und Eistee zu trinken. Es ist noch viel zu heiß zum Schlafen. Erst nach Mitternacht trudeln wir zurück ins Bett.

Mad Azuan und seine Frau Rozma bringen ihren kleinen Sohn Iman zum Frühstück mit und wir essen allerlei Leckereien aus Bananen, Kokos und irgendetwas Giftgrünem. An der ersten Tankstelle halten wir, waschen unsere Wäsche und duschen unter dem Wasserhahn. Es ist ein heißer, trockener Tag, doch wir haben gelernt, dass das Wetter in Südostasien im Oktober schnell umschwingen kann.

Mad Azuan, his wife Rozma and their son Iman

Mad Azuan, seine Frau Rozma und ihr Sohn Iman

Der Tag strengt mich an, es ist heiß und Schatten gibt es kaum. Doch diesmal habe ich meine Hausaufgaben gut gemacht. Ich habe nicht nur die Straßennamen für die Route aufgeschrieben, sondern auch, welche Städte auf dem Weg oder in der richtigen Richtung liegen. Wir wechseln die Straße oft und verfahren uns nicht ein Mal. Robertos kurzes Malaysia-Visum setzt uns etwas unter Zeitdruck, so beschließen wir, um die schöne Stadt Melaka herumzufahren und uns den Stadtverkehr zu sparen. Erst später finden wir heraus, dass Johan und Bärbel, zwei Radler aus Deutschland und Holland, die wir nun schon seit knapp 2000 Kilometern immerzu knapp verfehlen, die Nacht in Melaka verbringen.

Roberto takes a shower at a gas station

Schnelle Dusche unter dem Wasserhahn einer Tankstelle.

Als wir die Küstenstraße Nummer 5 erreichen, hören die Hügel schlagartig auf. Zu beiden Seiten wachsen Ölpalmen und Kautschukbäume. Der Wind weht leicht von hinten und meine Müdigkeit verfliegt schlagartig. Ich hätte noch Stunden weiterfahren können, doch der Himmel hinter uns wechselt von hellblau zu dunkelgrau. Ich hoffe auch einen kurzen Regenguss, doch das erste Donnergrollen macht mir klar, dass wir uns besser schleunigst nach einer Bleibe für die Nacht umsehen sollten wenn wir nicht wieder im Gewitter durch die Nacht radeln wollen.

Erst in Muar werden wir fündig und ziehen in ein einfaches Zimmer am Fluss ein. Zu spät finden wir heraus, dass Acid, ein warmshowers Mitglied, uns schon vor Wochen eingeladen hat, ihn in Muar zu besuchen. Ich hatte einfach vergessen, wie die Stadt hieß.

Gourmet Sobre la Carretera

Unser Karaoke-Restaurant ist am nächsten Morgen leider noch geschlossen. Mittags erreichen wir ein kleines Restaurant, wo wir gebratenen Reis futtern.

Abends packt und der Hunger. Das einzige bezahlbare Straßenrestaurant, das wir finden, ist ein Karaokerestaurant. Wir haben zwar keine Lust zu singen, oder mittelmäßig talentierten Sängern zuzuhören, aber der Hunger treibt uns hinein.

Wir essen Stechrochen, Garnelen, Tintenfisch und Kokosreis mit Erdnüssen und Anchovis. Jeder Teller ist angerichtet wie im 5-Sterne Restaurant, mit dem kleinen Unterschied, dass Tisch, Stühle und Teller aus buntem Plastik sind. Es schmeckt grandios. Für alles plus Getränke zahlen wir keine 3,50 €.

Am nächsten Tag knallt wieder die Sonne, abends grollt der Donner. Diesmal bleibt es länger trocken. Wir bauen in Windeseile das Zelt auf dem zugewachsenen Riesenparkplatz eines Restaurants auf und schlüpfen gleich nach ein paar Gläsern Tee hinein. Es blitzt und donnert wie verrückt, doch nicht ein Tropfen Regen erreicht die Erde. Als wir in unserer Zelt-Sauna fast im Schweiß ertrinken schälen wir uns wieder hinaus ins Freie. Die Kombination Blitz-Metallräder-knüppeltrockenes Gras ist ohnehin nicht die beste Zeltvoraussetzung.

Idyllic cymping spot. But from the other side ...

Ein idyllischer Zeltplatz genau zwischen der Natur und …

... you will see the McDonalds.

… dem McDonalds.

Wir trinken nich mehr Tee und unterhalten uns mit Wan, dem Kellner. Wan ist ein klasse Fotograf und hat viel in Übersee gearbeitet, zuletzt in Jamaica. Wan erzählt so spannende Geschichten, es ist 2 Uhr morgens als wir endlich wieder im Bett liegen. In der Zwischenzeit regnete es knapp 15 Minuten lang.

Das Erste was ich erblicke, als ich morgens die Zelttür öffne, ist der McDonalds auf der anderen Straßenseite. Roberto lechzt es schon seit Tagen nach einem Cheeseburger und ich will die Route im Internet überprüfen. Ich fühle mich schuldig, als ich wir neben dem Drive In parken und hineingehen. Leider gibt es noch keine Burger und während wir mittelprächtige und überteuerte Ei-Frühstücksburger futtern, finde ich heraus, dass auch das W-Lan nicht funktioniert.

Open 25 hours a day, 8 days a week

25 Stunden am Tag, 8 Tage die Woche.

Wir essen auf und ziehen nach Nebenan in ein 25-Stunden indisches Fastfodrestaurant mit W-Lan und Hamburgern. Hätten wir das bloß gleich gewusst!

Die Zeit vergeht langsam, wir radeln wieder durch die Hügel. Um uns herum Palmöl so weit das Auge reicht. Daneben eine Affenfamilie, die sich nach einer neuen Bleibe umsieht. Zwischen den Ölpalmen können sie nicht bleiben.

Abends erreichen wir ein sehr billiges aber überraschend sauberes Hotel, in dem die Zimmer Stunden- oder Nächteweise vermietet werden. Wir gönnen uns eine komplette Nacht. Das Personal und die anderen Gäste sind nett und hier und da zieht auch eine ganze Familie ein. Wir sind also nicht die einzigen, die nichts als eine Dusche und eine große Mütze Schlaf suchen.

Drink special: white and black spiders. Unfortunately no pink ones, those are my favorites.

Getränkespezial: weiße und schwarze Spinne.

Nach einer guten Nacht fällt es uns schwer, früh loszufahren, doch wir schaffen es, schließlich wollen wir uns mittags mit Mickael und Julien aus Frankreich treffen. Die beiden radeln seit Indonesien und haben die letzten Nächte bei Akira in Singapur verbracht, der ab dem Abend unser neuer Gastgeber sein würde.

Der Verkehr ist zäh und wir strampeln wie die Irren, dennoch erreichen wir die Gegend um die Grenzbrücke in Johor Bahru 20 Minuten zu spät. Von Mickael und Julien keine Spur. Mit Akira wollen wir uns zwischen 14 und 15 Uhr treffen, also hoffen wir, dass die beiden schnell auftauchen.

Nach vielen Sms und Telefonaten mit Akira und Mickael treffen wir die beiden 2 ½ Stunden zu spät. Akira hat Zeit bis um 17 Uhr, das ist gut, denn das reicht für einen ganz schnellen Kaffee mit den beiden. Wir erzählen ihnen von Malaysia und Thailand und den schönsten Straßen bisher.

Eventually Mickael and Julien made it to Johor Bahru

Mit nur 2 1/2 Stunden Verspätung trudeln Mickael und Julien ein. Wir wissen da noch nicht, was für ein grandioser Gastgeber und Freund Akira ist und dass es sicherlich schwer ist, sich von ihm loszureißen.

Dennoch müssen wir uns beeilen. An der Grenze erwischen wir eine junge Beamtin, die wohl ihren Probetag hat. Sie stellt ihre Fragen so leise, Roberto sein Ohr gegen die gelöcherte Plastikscheibe pressen muss. „Sorry?“, fragt er immer wieder nach. Ich bezweifle dass sie sich selbst hören kann. Ich atme tief durch. Nur nicht den Zeitdruck gewinnen lassen. Wenn sie unsere Eile jetzt als Nervosität missinterpretiert, dauert alles noch viel länger.

Irgendwann liegt die Grenze hinter uns und wir sausen wie der Wind durch Singapurs Straßen. Ich bin heilfroh, dass ich die Wegbeschreibung so genau aufgeschrieben habe. Trotz der vielen, vielen (roten) Ampeln schaffen wir einen Schnitt von fast 20 km/h und kommen dennoch 20 Minuten zu spät bei Akira an.

Uns ist die Verspätung unglaublich unangenehm, doch Akira sagt nur „Kein Problem“ und grinst. Überhaupt ist er ein sehr ruhiger und positiver Mensch, das ist uns gleich nach der ersten Begegnung klar. Er strahlt Ruhe, Glück und Gelassenheit aus und lächelt fast ununterbrochen. Kennen gelernt haben wir Akira aus Japan über warmshowers. Einige Jahre lebt er nun schon in Singapur und kann seine Frau und Tochter nur im Urlaub besuchen.

By the following day Akira would take us out for Japanese dinner

Am nächsten Tag lädt Akira uns schick zu japanischem Essen ein. Und wir lassen es uns schmecken.

Akira hat ein geschäftliches Abendessen und lässt uns in seiner Wohnung allein. Da kennen wir uns gerade einmal eine Stunde persönlich. Immer wieder sind wir erstaunt darüber, wie viel Vertrauen uns die Menschen entgegenbringen. Sie glauben an das Gute im Menschen, in der Gesellschaft, gut erzogene Radler und daran, dass Vertrauen sich auszahlt. Und sie haben Recht. An diesem Abend duschen wir, stürmen das nächste Subway-Restaurant und schlafen früh.

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