Dempster Highway per Fahrrad Teil 1: Hungrig wie die Bären

Cycling the Dempster Highway!

Mit dem Rad auf den Dempster Highway!

English Version: Cycling the Dempster Highway Part 1

Dempster Highway per Fahrrad Teil 1: Hungrig wie die Bären

Land: Yukon, Kanada

Von Dawson City bis Eagle Plains

Draus gelernt: Roberto und ich kommen locker mit drei Litern Wasser am Tag hin.

Drüber gelacht: „Trinkbares Trinkwasser“ das abgekocht werden muss

Schönstes kleines Wunder: Essenspaket fürs Regenteam

Größte Herausforderung: Hunger und Matsch

Geradelte Tage: 5

Geradelte Kilometer: 414

Durchschnittliche Kilometer pro Tag: 82,8

Insgesamt bis Eagle Plains geradelte Kilometer: 20.692

Dempster Highway per Fahrrad Teil 1.

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Letzten Blog verpasst? Hier ist er: Taylor Highway und Top of the World Highway per Fahrrad

 

Willst du selbst das Abenteuer Dempster per Fahrrad wagen?

Das Tasting Travels Team hat da etwas für dich vorbereitet!

Dempster by bicycle PDF

Klick auf das Bild für ein PDF voller Info und Tipps (auf englisch)!

Dempster by bicycle – cycling the true North

Darf gerne runtergeladen und weitergeleitet werden.

Dempster Highway per Fahrrad Teil 1

Der Dempster, das ist eine 740 ungeteerte Kilometer lange Einbahnstraße die in Inuvik, bei über 68 Grad Nord endet. Nur wer ganz viel Zeit mitgebracht hat, kann noch höher hinauf fahren, denn im Winter gibt es eine Eisstraße hinauf nach Tuktoyaktuk. Dieses Jahr ist die letzte Chance, diese zu befahren, denn ab dem nächsten Winter wird an einer 137 Kilometer Schotterstraße gearbeitet, die das ganze Jahr über befahrbar ist.

The Dempster Highway Elevation Profile

Das haben wir erwartet …

Dempster profile by bike

… und das haben wir gekriegt.

Aber Inuvik ist uns fürs erste nördlich genug. Der Dempster riecht nach Abenteuer. Taiga, Tundra, Bären, Elche, Karibus, einfach Wildnis. Das erste Gebäude steht bei 71,5 km, dort kann man sich über den Tombstone Nationalpark informieren. Dort gibt es sogar ein Klo mit Wasserspülung. Dann kommt bis Kilometerstein 369 (halbe Strecke) nichts. In Eagle Plains wohnen ganze 8 Menschen. Erst nördlich des Polarkreises kommen die einzigen beiden Dörfer auf dem Dempster: Fort McPherson (etwa 900 Einwohner) und Tsiigehtchic (150 Einwohner).

Teaming up with Martine from Québec ...

Wir radeln von nun an gemeinsam mit Martine aus Québec …

Unser Zweierteam ist gewachsen. Seit Alaska radeln wir mit Martine aus Québec und für den Dempster haben wir uns außerdem Denise und Luzia aus Deutschland mit ins Boot geholt.

... and Denise ...

… und Denise …

Wir haben nämlich von den wildesten Bärengeschichten gehört und beschlossen, dass mit der Gruppengröße auch die Sicherheit ansteigt. Ein kleiner abenteuerlustiger Teenage-Bär mag wohl einzelne Leute spaßeshalber angreifen, aber ein Riesentier mit fünf Köpfen, zehn Rädern und ebensovielen Armen und Beinen ist dann doch eine Spur zu viel.

... and Luzia from Germany.

… und Luzia aus Deutschland.

Aus der Zwecksgemeinschaft wird sehr schnell eine harmonische Truppe und jeder gibt auf jeden Acht. Sogar das Essen wird geteilt – und Essbares ist uns auf dem Dempster mehr Wert als Gold.

And so the Adventure Arctic began.

Auf ins Abenteuer Arktis!

Zumal es ohnehin 551 Kilometer lang keinen Laden gibt, um dieses auszugeben. Aber dazu später mehr.

Es ist ein sonniger Tag. Martine radelt los, während wir noch faul im Zelt liegen. Es ist 13 Uhr als auch wir endlich startklar sind.

Some animal on the road

Was ist denn das??

Die ersten 40 Kilometer zur Dempster-Kreuzung sind flach und nicht weiter spektakulär. Dann biegen wir links ab in Richtung Abenteuer. Nach ein paar Metern endet der Asphalt. Doch der Straßenbelag ist super und wir kommen gut voran. Siebzig Kilometer lang würde es nun leicht bergauf gehen. Wir singen, um die Bären fern zu halten und auch einfach so, weil uns ja ohnehin niemand hören kann.

Hardly any people on the Dempster Highway

Viel los war nicht

Die Bärenglocke haben wir abgenommen. Dawn aus Inuvik hatte uns nämlich erklärt, dass einige Bären, die sich gerne in der Nähe von Campingplätzen aufhalten, das Geklingel mit dem Koch-Geklapper von Töpfen und Pfannen verwechseln könnten und dadurch erst angezogen werden. Singen macht auch viel mehr Spaß.

Truck followed by a cloud of dust

Hier haben wir zwei Möglichkeiten. Anhalten und warten bis die Staubwolke vorbei ist, oder Augen zu und durch.

Die Taiga zieht sich. Kleine krumme Fichten zu beiden Seiten, Birken gibt es immer seltener. Nach einer Weile staune ich nicht schlecht, als ich im Rückspiegel zwei andere Radler sehe.

Luzia cycling the Dempster

Hallöchen Luzia!

Luzia und Denise sind noch später als wir losgekommen. Sie haben einen Anhalter an die Kreuzung genommen und uns nun schnell eingeholt. Martine hat mittlerweile schon einen Platz zum zelten entdeckt und uns über eine Autofahrerin eine Nachricht zu ihrem Standpunkt hinterlassen.

Dinnertime!

Es ist Zeit fürs Abendbrot

Freedom Camping on the Dempster Highway

Es gibt weder Bärenkot noch frische Spuren, dafür eine Kochnische und flachen Boden. Perfekt!

Martine hat einen super Platz gefunden, der vermutlich schon viele Jahre den Jägern als Zeltplatz dient. Es gibt Feuerstellen und sogar eine verrostete Box in der wir unsere Lebensmittel und Badezimmerprodukte einigermaßen gut verstecken.

Camping in mosquito territory

Nur für die Gabel macht das Mückennetz Platz.

Bear box

Fast so gut wie das Essen in einem Baum aufzuhängen: eine rostige Box!

Der nächste Tag schlaucht mich. Wir haben einige kleine Kalorien-Snacks dabei, Trockenobst, Studentenfutter, Müsliriegel, von denen wir dachten, dass sie uns als Frühstück und Mittagssnack reichen. Doch was ich wirklich brauche, ist mehr Volumen.

Camping on Dempster Highway

Alles was nach Essen riecht wird verbrannt. Die Reste sammeln wir ein und schmeißen sie am nächsten Mülleimer weg.

Mein Magen knurrt immerzu, weil ich ihn nie genug auffülle. Erst zu Abend, wenn wir uns eine Tüte gefriergetrocknetes Essen teilen, legt sich das Knurren einigermaßen. Das hilft natürlich weder der Stimmung noch der Motivation. Ich habe keine Lust mehr. Es ist gerade einmal Tag zwei.

Entering the beautiful Tombstone National Park

Wir radeln durch den schönen Tombstone National Park

Biking the Dempster

Auf dem Dempster

Shrub and road and the odd squirrel and bunny

Büsche, Straße und ab und zu mal ein Hase oder Eichhörnchen.

Ich komme immer langsamer voran und kann die tollen Tundra-Landschaften gar nicht richtig genießen, weil ich dauerhaft versuche, schneller zu fahren. Doch als ich komplett den Anschluss verliere und die anderen aus dem Blickfeld sind, beginne ich meinen „Solo-Tag“ zu genießen.

Tombstone Park in Yukon Territory

Die Landschaft ist schon ziemlich genial.

Cycling the Dempster Highway

Wir hiefen unsere Trucks die Hügel hinauf

Freedom Camping in a random pullout

Zelten irgendwo zwischen Straße und Fluss

Nach knapp 84 Kilometern und über sechs Stunden auf dem Sattel entdeckt Roberto einen kleinen Weg, der zum Fluss führt. Die Mücken fressen uns auf und wir sind heilfroh über das 98%-Deet Wundermittel, das Curtis uns mitgegeben hat. Gift hin oder her. Das ist das Einzige was wirkt.

feast for the mosquitoes

Essen auf Rädern. Wir sind ein Festmahl für die Mücken. Da hilft nur eine dicke Schicht Deet.

In the Tundra

In der Tundra

Am dritten Tag verlassen wir langsam die baumlose Tundra und radeln durch krumme und schiefe Schwarzfichten und kleine Birken. Im Permafrostboden überleben nur die Kleinsten.

Spot the bear! Can't find it? Well, neither could we.

Immer auf der Ausschau nach wilden Tieren.

Views in the Tombstone Park

Der Tombstone Park

Die Mädels haben mittlerweile ein Wildpferd samt Fohlen gesehen, ein Stachelschwein, einige Elche und einen Vielfraß. Wir hingegen können nur eine Elchkuh, eine Art Nerz (oder vielleicht war es auch was anderes), einen Adler und ein paar Hasen und Eichhörnchen aufweisen. Einige Murmeltiere haben wir gehört, aber nicht gesehen.

Tundra

Tundra

Sometimes I wish we could just stop, sit, watch and listen for a few hours.

Ich hätte nicht schlecht Lust, mich einfach ein paar Stunden hinzusetzen und Tieren, Wasser und Wind zu lauschen.

The views down after the North Fork Pass

Blick hinunter nach dem North Fork Pass

Bald haben wir den Windy Pass hinter uns (sehr windig dort oben) und radeln gemütlich hinunter zum Engineer Creek Campground. Es ist noch früh am Nachmittag.

Denise on the Dempster Highway Windy Pass.

Der letzte Kilometer hinauf zum Windy Pass hat es wirklich in sich. Denise und ich kämpfen nicht schlecht.

Cycling through Beringia

Dann ändert sich die Landschaft ganz plötzlich. Von nun an radeln wir durch Beringia! Dieser Teil des Landes war während der Eiszeit so trocken, dass er weder von Schnee noch Eis bedeckt war und sich daher seit lange vor der Eiszeit kaum verändert hat. Das muss man sich mal vorstellen! Abgesehen von der Straße haben wir so ziemlich den gleuchen Blick wie die ersten Homo Sapiens die hier vor Ewigkeiten gewohnt haben!

In Kanada gibt es viele Staatscampingplätze, die im Yukon um die $12 pro Nacht kosten (man checkt sich selbst ein). Ausgestattet sind diese meist mit (Kiesel-) Stellplätzen mit Picknickbank und Feuerstelle, Plumpsklos voller Mücken und ggf. einer Kochhütte und Trinkwasser.

Biking alongside the Oglivie River

Es gibt Sulphur Quellen in der Nähe und manchmal sind die Flüsse ganz orange-rot. Gut dass wir vorher schnell die Flaschen aufgefüllt haben!

Roberto rides towards the mountains

Roberto radelt in die Berge

Roberto sleeps inside the kitchen shelter

Päuschen in der Kochhütte.

In Engineer Creek gibt es keinen Wasserhahn, dafür aber einen Fluss. Das Wasser ist laut einem Schild „trinkbares Trinkwasser dass aber vor dem Trinken zehn Minuten abgekocht werden muss“. Das soll mal einer verstehen.

Potable Drinking Water

Trinkbares Trinkwasser das man aber lieber nochmal zehn Minuten lang abkochen soll.

Direkt in der Einfahrt entdecken wir Bärenspuren im Lehm. Zum Glück ist kein Bär in Sicht.

Laut Martines Recherche gibt es auf den folgenden 175 Kilometern weder Flüsse noch sonstige Wasserquellen. Wir sammeln also alles zusammen was als Wasserbehälter genutzt werden kann und füllen es auf.

The water factory

Die Wasserfabrik

Dann wird das gelbe Wasser durch die Pumpe gequetscht und nochmal Infrarot behandelt – fertig. In der Kochhütte sieht es aus wie in einer Fabrik. Flaschen überall, manche mit gelbem Wasser, andere mit Klarem.

Nachdem alle Vorbereitungen getätigt sind, wollen wir weiter. Doch es ist Regen gemeldet und bei Regen kann der Dempster schnell zu einer klebrigen Matschpiste werden. Nach einiger Diskussion beschließen wir, die Nacht hier zu verbringen. Und kaum eine halbe Stunde später prasselt es auch schon los.

Bear tracks

Wir hatten einen Besucher!

Wir verbringen die Nacht kurzerhand auf dem Boden der Küchenhütte, denn niemand hat Lust bei 5°C im Regen ein Zelt aufzustellen.

Der Regen hält an und wir müssen unsere Zwangspause verlängern. Das macht Martine gar nichts aus, denn in ihren riesigen Packtaschen müssen sich ganze Berge an Lebensmitteln verstecken.

Comfy times in our rain hut in Engineer Creek

In der Kochhütte ist es eigentlich ganz gemütlich

Wir vier anderen hingegen haben vier Tage für die halbe Strecke eingeplant und rationieren jede Portion. In Eagle Plains wartet mittlerweile das Essen für die zweite Hälfte der Strecke auf uns. Das haben nette Touristen für uns mitgenommen (organisiert durch das NWT Info Zentrum in Dawson City), damit wir nicht alles schleppen müssen und vermutlich auch wegen der Bären.

The Rain Team of Engineer Creek

Die lieben Geologinnen schmeißen eine Runde Karotten. Wir sind alle ganz aufgeregt.

Doch Eagle Plains ist noch 175 Kilometer entfernt und wir haben jetzt Hunger. Von 1 ½ Scheibe Brot zum Frühstück geht es runter auf eine. Snacks gibt es keine mehr. Auch der Tee ist in Eagle Plains, doch wir sind kreativ und trinken heißes Wasser mit Milchpulver und Honig. Als auch das zu Ende geht, machen wir es wie in China und begnügen uns mit heißem Wasser ohne alles.

Rain Team Engineer Creek Campground

Später bekommen wir noch jede einen Apfel. Wir freuen uns so sehr, dass wir beschließen dass das ein sehr guter Grund für ein weiteres Gruppenbild ist. Diesmal mit dabei: Vogelbeobachterin Emily (rechts).

Wir frieren uns so durch den Morgen, denn der Kamin hat ein rostiges Ofenrohr. Gegen Mittag beschließen wir, das Warnschild zu ignorieren und das Feuer trotzdem anzuwerfen. In diesem Moment wird aus einer miserablen Zwangspause ein angenehmer Nachmittag mit Kartenspielen.

Fire in the fireplace

Ein kleiner Funke verwandelt die kalte Hütte in ein gemütliches Häuschen

Luzia and Denise playing "Who am I?"

“Wer bin ich?” Denise und Luzia sind ganz vorn mit dabei.

Im Laufe des Nachmittags füllt sich die Hütte. Ein nettes Paar aus Wisconsin, das „mal schnell zum Polarkreis und dann zurück“ fährt, bietet uns an, Snacks aus Eagle Plains mitzubringen. Viele Stunden später sind sie wieder da, der Wohnwagen ist so matschig, man könnte meinen er sei im Tarnanzug.

Camouflage truck

Im Tarnanzug

Die Einfahrt zum Camping hat sich mittlerweile in einen See verwandelt. Die Straße sei kaum befahrbar berichtet Susan. Trotzdem – geschafft haben sie es. Und wir bekommen unsere Snickers und Chips.

Wenn der Regen anhält, werden wir jedoch auch mit einem extra Snickers in eine wirklich ernste Nahrungsmitteldürre kommen. Nach langem hin und her beschließen wir, in diesem Fall zurück zum Einkaufen nach Dawson und zurück zu trampen. Kaum war der Entschluss gefasst, verabschiedet sich ein weiteres Paar auf Durchreise. Ob wir noch irgendwas brauchen, Wasser vielleicht, oder Essen. Beim Wort „Essen“ drehen sich vier Köpfe ungläubig in Richtung Tür.

SO! MUCH! FOOOOD!!

SO! VIEL! ESSEN!!

Martine hat ihren Essdrang überraschend gut im Griff, sie lebt hoch zufrieden von trockenen kalten Tortillas und gefriergetrocknetem Tütenessen. „Lasst mich mal sehen, was ich noch übrig habe“, verspricht Wilf, verschwindet in den Regen und kommt kurz darauf mit einer ganzen Box voller Leckereien wieder. Das war die Notration für den Fall dass die Straße unbefahrbar ist. Nun geht es für ihn zurück nach Dawson und das Essen soll alles für uns sein. Wir glotzen erstmal ganz ungläubig und bedanken uns dann überschwänglich. Weihnachten im Juli.

Biking the Dempster in a group

Der Regen ist vorbei, das Regentem löst sich auf.

Bald füllt sich die Hütte weiter. Hobby-Ornithologin Emily aus Alberta fährt den Dempster mit einem alten VW Scirocco hinauf. Auch sie traut sich nicht so recht in den Matsch und steckt mit uns fest. Dazu kommen Sheriff Justin und Feuerwehrfrau Laura, die in ihrer Heimatstadt in Colorado mit Motorrädern gestartet sind. Und dann noch zwei Geologinnen, die hier für einige Tage ihre Zelte stehen haben. Es wird richtig gemütlich. Justin kramt einen Wasserschlauch voll Wein heraus, Emily steuert heiße Schokolade mit Whiskey bei und wir teilen die neu erworbenen Crackers mit Erdnussbutter. Der Kamin bullert und wir erzählen Geschichten.

Biking the Dempster's Tundra

Weiter geht’s!

Nach gut 36 Stunden hört der Regen um 5 Uhr morgens endlich auf. Wir trauen dem Ganzen nicht so recht. Wer weiß wie lange die Straße zum Trocknen braucht. Roberto watet durch den See zur Straße und hält Autos und Motorräder an, um nach der Beschaffenheit der Straße zu fragen.

So much water!

So viel klares Wasser!

Nachmittags um 3 sind wir dann soweit. Die Räder wiegen etwas mehr mit all dem Wasser. Die Aussichten sind gut, nun werden noch Email Adressen und Umarmungen verteilt. Das Regenteam löst sich auf.

Roberto bikes along the Ogilvie River

Roberto radelt am Ogilvie River entlang

Martine besteht darauf dass wir pro Person 9 Liter Wasser pro Tag einplanen. Das macht 36 Liter für Roberto und mich! Normalerweise haben wir weniger als drei pro Nase dabei. Wir füllen was wir haben plus jede Menge leere Colaflaschen mit dem mühsam gefilterten Flusswasser. Das reicht uns dicke.

We just enjoyed the views

Gute Aussicht!

Die ersten 50 Kilometer lang folgen wir dem Oglivie Fluss, dessen Wasser eigentlich ganz super aussieht. Auf der anderen Straßenseite stürzen sich kleine Wasserfälle mit Quellwasser die Felswand hinunter. Da waren wir wohl falsch informiert.

Cycling Beringia. This is pretty much exactly the same sight, that the first Homo Sapiens had, that came here.

Beringia hat sich seit vor der Eiszeit kaum verändert. Wir radeln durch Geschichte.

And eventually the trees came back

Und irgendwann liegt die Tundra wieder hinter uns und wir radeln durch Wälder.

Ab dem Seven-Mile-Hill radeln wir dann aber wirklich auf dem Bergkamm und alle Quellen liegen links und rechts des Weges weiter unten in den niedrigen Büschen der Tundra. Der Blick auf die Oglivie Bergkette ist ein Traum. Es ist nach 23 Uhr und die tiefe Sonne färbt die Berge in cremefarbenen Glanz.

Cream colored Ogilvie Mountains

Cremefarbene Ogilvie Bergkette

Ogilvie Mountain Range

Der Blick hinunter auf die Bergkette hilft beim bergaufradeln. Je höher ich komme, umso besser die Aussicht.

Bei Kilometerstein 260 hat Emily uns weitere 10 Liter Wasser hinterlassen. Neben dem Kanister liegen zwei Dosen Bier im Gestrüpp. Emily ist einfach großartig. 18 Kilometer später erreichen wir Wasservorrat Nummer zwei, den eine Familie aus Québec für Martine mitgenommen hat: ein kompletter Bärenkanister voller Flusswasser!

Camping under the midnight sun

Zelten unter der Mitternachtssonne

Night cycling up North

Wir radeln auch nach Mitternacht noch fröhlich weiter

Sie musste eben auf ihre neun Liter bestehen. Nun brauchen wir aber den Bärenkanister um nachts unser Essen bärensicher zu verpacken. Also muss Martine ihren Schatz schweren Herzens wegschütten. Ganz so viel haben wir den Tag über dann doch nicht verbraucht.

Just us and the mud and the green

Es gibt nur uns fünf, die Straße und ganz viel grün.

The first and only sunset that we saw in our time up North

Da sehen wir doch hoch im Norden tatsächlich einen Sonnenuntergang!

Wir stellen die Zelte einfach an Ort und Stelle auf, denn es ist weit nach Mitternacht und unter 5°C. Außerdem soll es ab hier matschiger werden. Die Sonne geht schon fast unter als wir gegen zwei Uhr morgens völlig durchgefroren in die Federn kriechen.

Empty roads as usual

Viel los ist nicht.

Cycling North Canada

Nach Mitternacht

Der nächste Tag startet sonnig. Der Matsch ist angetrocknet und wir können in den tief eingegrabenen Spuren der LKWs fahren, was nicht ganz einfach ist. Dass hier zwei Tage zuvor ein ganzes Wohnmobil durchgekommen ist, können wir kaum glauben.

Mud on the Dempster Highway

Matsch

Scenic Cycling

Roberto

Unter dem Matsch ist die Straße extrem holprig. Wir werden durchgeschüttelt wie beim Rodeo. Dazu geht es immerzu bergauf und bergab. Es regnet immer wieder, dann ist es wieder heiß.

It was getting colder after midnight

Team Versammlung. Wie weit wollen wir noch? Wann und wo machen wir Feierabend?

It was getting colder, but the mosquitoes stayed active

Den Mücken macht die Kälte gar nichts aus.

Wir ziehen uns immer wieder die Regensachen an und aus. Ich bin völlig am Ende, als der letzte lange Anstieg auf uns zukommt. Der holprige Matsch war im Vergleich zu dem tiefen Kiesel hier ein Zuckerschlecken.

Muddy Dempster Highway

Matschepampe

Mit dem Fahrrad auf dem Dempster Highway

Immerhin gibt es nach jedem Hügel eine Belohnung in Form eines Ausblicks.

Wir radeln wie auf Eisschollen. Über acht Stunden sitzen wir heute auf dem Rad um knapp 92 Kilometer zurückzulegen. Dann ist es um 20.10 Uhr geschafft. Vor uns liegt Eagle Plains. Einwohnerzahl ist acht.

It's not always easy

Es ist nich immer alles einfach.

Es gibt einen Campingplatz mit Duschen, unbezahlbare Hotelzimmer und ein Restaurant. Seit Tagen haben wir uns auf die Hamburger hier gefreut. Wir lehnen die Räder wie sie sind an eine Bank und stürzen ins Restaurant. Geschlossen. Hier macht die Küche um 20 Uhr zu. Ich bin am Boden zerstört. Welches Restaurant macht denn bittesehr schon abends um acht Feierabend?

Reaching Eagle Plains

Haut die Burger auf den Grill – hier kommen wir!

Da kommen uns Denise und Luzia entgegen. „Wir haben einfach mal für euch mitbestellt, die Burger dürften bald fertig sein.“ Ich grinse über beide Ohren. Das ist wahre Kameradschaft. Da haben die beiden allen ernstes mit dem Essen auf uns gewartet!

Beautiful Ponds

Tümpel

Kurz darauf kommt auch Martine, der noch 500 Meter vorm Ziel ein Schwarzbär über den Weg gelaufen ist. Keiner spricht ein Wort bis alle Burger und Pommes verschlungen sind.

Eagle Plains. Population Eight.

Eagle Plains. Einwohnerzahl Acht.

Ein paar Minuten lang hört man nur kauen, schmatzen und schlürfen. Dieses Festmahl haben wir uns verdient. Seit Dawson City haben wir 30,22 Stunden im Sattel verbracht, das sind gut sechs pro Tag. Ab hier sind es nur noch 369 Kilometer bis nach Inuvik!

Eagle Plains Burger!

Schmatz Schlürf Schmazu – lecker!!

Hier geht’s weiter zum nächsten Teil: Dempster Highway per Fahrrad Teil 2: Mit dem Rad in die Arktis

Willst du selbst das Abenteuer Dempster per Fahrrad wagen?

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Dempster by bicycle PDF

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  1. Volker Reinecke says:

    2009 waren meine Frau und ich auch auf dem Dempster Hwy unterwegs – allerdings im Auto. Eure Erlebnisse wecken viele schöne (und weniger schöne) Erinnerungen. Als wir eine Reifenpanne hatten, half uns ein LKW-Fahrer aus Inuvik und lehnte einen Dank ab. Hilfe sei hier selbstverständlich. Wir sahen etliche Radfahrerinnen und Radfahrer und haben sie – wie jetzt Euch – sehr bewundert!

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