Alles Dreckige zum Geburtstag!

 

Sockenkranz entdeckt in Landkreis Verden

Bad Bederkesa, Niedersachsen, Deutschland, September 2011

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Deutsche Geburtstagstraditionen: Ein Geburtstag ist in Bad Bederkesa ein besonderes Ereignis. Da muss es auch kein Runder sein. Traditionell werden verschiedene Geburtstage mit verschiedenen Ritualen gefeiert. Je nach Region gibt es für alle Geburtstage verschiedene Bräuche. Manche dieser Geburtstagstraditionen ändern sich von Dorf zu Dorf, andere gar von Straße zu Straße.

16 Jahre: Ab dem sechzehnten Geburtstag darf in Deutschland Alkohol getrunken werden, sofern es sich um Bier, Wein oder Sekt handelt. Das Geburtstagskind wird zur Feier des Tages meist auf dem Schulhof mit Bier und Mehl überhäuft. Daher tragen die Geburtstagskinder an diesem Tag nicht ihre schönste, sondern ihre älteste Kleidung.

18 Jahre: Mit der Volljährigkeit kommt die Eier-Mehl-Taufe. Hier wird das Geburtstagskind mit angeschlagenen rohen Eiern beworfen und mit Mehl überhäuft. Wie schon beim sechzehnten Geburtstag kann sich glücklich schätzen, wer seine Haare anschließend nicht abschneiden muss. Beide Traditionen finden jedoch immer weniger Anklang, da Lebensmittel unnötig verbraucht werden und die Sauerei kaum wieder wegzubekommen ist und selbst der Boden Wochen später noch stinken kann.

25 Jahre: Mit dem

Alte Socken werden gesammelt – um sie alten Socken zu schenken.

fünfundzwanzigsten Geburtstag gelten unverheiratete Frauen als alte Schachteln und ebensolche  Männer als alte Socken. Daher sammeln ihre Freunde, Verwandten und Nachbarn schon Wochen vor dem Geburtstag alle alten und löchrigen Socken für die männlichen und leere Schachteln aller Art, vor allem Zigarettenschachteln, für weibliche Freunde. Daraus wird dann am Vorabend des Geburtstages ein langer Kranz gebastelt, der um die Haustür und den Gartenzaun herum gelegt wird. Manchmal wird dieser Kranz auch noch um kleine Schnapsflaschen ergänzt. Um Mitternacht klingeln die Freunde beim Geburtstagskind, das der Tradition nach diesen Kranz bewundert und alle Freunde zum Umtrunk zu sich nach Hause einlädt.

30 Jahre: Aus Bremen

Schachtelkranz für alte Schachteln

kommt der Brauch des Domtreppenfegens für dreißigjährige unverheiratete Männer und des Klinkenputzen für ebensolche Frauen. Dadurch sollten Unverheiratete schon einmal an die unnützen Aufgaben gewöhnt werden, die sie im Jenseits zu erledigen hätten, wenn sie sich im irdischen Leben nicht fortgepflanzt haben. In Bad Bederkesa, wo es keinen Dom gibt, wird einfach auf einem beliebigen Platz gefegt und es werden beliebige Klinken geputzt. Für die Männer sammeln die Freunde, Verwandten und Nachbarn des Geburtstagskindes Stroh und viele Kronkorken, die sie ihm auf den Boden werfen. Diese muss das Geburtstagskind dann zusammenfegen, wobei die Freunde immer wieder alles neu verstreuen. Es wird so lange gefegt, bis sich eine Jungfrau erbarmt, den Junggesellen freizuküssen. Frauen putzen an ihrem dreißigsten Geburtstag die Klinken einer Tür, die von ihren Freunden, Verwandten und Nachbarn immer wieder mit verschiedenen klebrig-schmierigen Substanzen wie Honig, Zahnpasta und Schuhcreme verschmiert werden. Diese Tradition wird aber nicht ganz so akkurat durchgeführt.

In manchen Gegenden müssen 40-jährige unverheiratete rückwärts auf einem Esel reiten, da sie dann als alte Esel gelten, die es nicht geschafft haben, eine Frau zu finden. Man sollte meinen, es lohne sich früh zu heiraten, um diesen Traditionen zu entgehen, doch die verrückten Verkleidungen und peinlichen Aufgaben, die zum Junggesellenabschied Tradition sind, sind auch kaum zu empfehlen.

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