Teuschnitz – wenige Einwohner und viele Traditionen

 

N 50 23’822” E 11 23′ 235” Teuschnitz

Teuschnitz, Oberfranken, Bayern, Deutschland, Oktober 2011

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Im Frankenwald hat jedes Dorf seinen eigenen Dialekt. Die Einwohner sind stolz darauf, ihr Dialekt hat doch schließlich eine lange Tradition. Zwischen all den Bäumen und Hügeln war es früher nicht einfach, das Nachbardorf zu erreichen. Als ein Beispiel dafür steht das 650 Meter hohe Städtchen Teuschnitz. Was mit seinen knapp über 2000 Einwohner wie ein kleines Nest wirken mag, hat schon 1390 die Stadtrechte erworben und ist noch heute stolz darauf.

Moderne trifft auf Tradition – auch in der Architektur

Radfahrer müssen einige Höhenmeter erstrampeln, um dort anzukommen, aber der Schweiß lohnt sich. Die hügelige, waldreiche Landschaft ermöglicht Ausblicke ins Fichtelgebirge, bis ins Maintal und nach Thüringen. Die vielen gepflegten Wanderwege laden ein, die Umgebung zu erkunden. Die oberfränkische Stadt nahe dem Rennsteig ist klein und bietet dennoch eine Bäckerei, mehrere Gasthäuser, dort Wirtshäuser genannt, zwei Banken, eine Drogerie und einen Supermarkt. Das ist genug, denn jeder Laden hat sich auf das spezialisiert was die Einwohner brauchen. Im Schreibwarenhandel Tautz kann man auch Briefe versenden, Brötchen kaufen (in Teuschnitz heißen Brötchen allerdings Semmeln) und Last-Minute-Geburtstagsgeschenke erstehen. Sogar einen Badeanzug habe ich eines Sommers beim Tautz gesucht und gefunden.

Ein Geschäft – alles drin. Vom Badeanzug über frisches Brot bis zum Mitbringsel. Tautz hat sich auf alles gleichzeitig spezialisiert.

Es gibt von allem ein bisschen. Die Teuschnitzer sind damit zufrieden und sehen daher keinen Grund, das Städtchen und seine Umgebung zu verlassen. Die Einwohner kennen sich, bekannte Besucher werden herzlich begrüßt und neue Gesichter neugierig begutachtet und nach kurzer Überlegung auch angesprochen. In der näheren Umgebung gibt es Rad- Wander- Reit- und Nordic-Walking-Wege durch die Wiesen und Wälder des Frankenwaldes.

 

Im Sommer blühen in den Wiesen um Teuschnitz herum viele Blumen, die sonst in Deutschland nur selten zu finden sind und auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen: Ein Beispiel ist die Heilpflanze Arnika. Sie hilft als Salbe, Gel oder Tinktur bei Verletzungen, sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden. Ihr zu Ehren wurde 2008 von Kindern aus aller Welt das Arnika-Denkmal erbaut, eine Steinblume von elf Metern Durchmesser die etwa einen Kilometer von Teuschnitz entfernt das ganze Jahr lang „blüht“. Stolz sind die Teuschnitzer auf „ihre“ Arnika, ein Mal im Jahr feiern sie ihr zu Ehren das Arnika-Fest und das ganze Jahr über gibt es ein Arnika-Programm mit Vorträgen und Naturwanderungen. Immer wieder bilden sich neue, moderne Traditionen, unter Anderem neben dem Arnikafest auch ein Rockwochenende, sodass auch für Unterhaltung für die Jugend gesorgt ist.

Die Arnikablüte

In den mehr als 621 Jahren, die Teuschnitz mittlerweile auf dem Buckel hat, haben sich auch viele Traditionen entwickelt, die mit viel Hingabe und Stolz gefeiert werden. Dazu gehören das Starkbierfest im Nachbardorf Wickendorf, das Altstadtfest, die Kerwa (Kirchweih) und diverse Faschingsfeste (Fotos dazu). Fremden wird aber gerne der tiefere Sinn (wenn vorhanden und noch erinnert) der fremden Kultur im tiefen Frankenwald erklärt. Sprachlich hat sich Teuschnitz aber angepasst, wer des Fränkischen mächtig ist versteht die meisten Vokabeln auch so. Und wer englisch spricht versteht den im Winter oft angewendeten Satz: „Mei Nous is kould“.

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