Okey-dokey

Männer beim Okey spielen in einem türkischen Café

Silivri, Januar 2012

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Okey-dokey

Um uns herum riecht es nach Zigaretten und frisch gebrühtem Kaffee. Die Männer an den umliegenden Tischen spielen teils lachend, teils konzentriert Backgammon, Karten und ein Spiel, das mir nach Rummykub aussieht. Dursun sucht nach Domino, findet keines und stellt stattdessen einen Karton mit Rummykubsteinen auf den Tisch. Schon beim Austeilen der Steine merke ich, dass wir kein gewöhnliches Rummykub spielen, denn Dursun verteilt nach einem komplizierten System. Doch wir legen einfach los. „Wie heißt denn das Spiel?“ stammle ich nach ein paar Runden in einer Mischung aus englisch und deutsch. „Okay“, sagt Dursun. Ich deute auf die Spielsteine, die überall auf dem Tisch verteilt sind und sage „Name“. Dursun wiederholt: „Okay“. Er fragt nach einem Stift und schreibt uns „Okey“ in Robertos Notizheft.

Nach einem nebligen Radeltag haben wir in einem Dorf kurz vor Silivri nach einem Zeltplatz gesucht und sind dabei auf Dursun und seinen Bruder gestoßen. Nachdem wir etwas Tee bei ihnen zu Hause getrunken und die ganze Familie kennen gelernt haben, wurde das Zelt im Garten aufgebaut. Er war noch früh am Abend, als Dursun uns fragte, ob wir ihn nicht auf einen Kaffee in einen Salon begleiten wollen.

Dursun sieht aus als würde er gleich wieder gewinnen

Ein paar Runden haben wir schon ausgehalten und ich beginne, das Spiel zu verstehen. Wir mischen unsere Steine und stellen sie in 21 verdeckten Fünferstapeln auf. Ein Stein bleibt übrig. Okey wird mit 106 Steinen in den Farben rot, gelb, grün und schwarz gespielt. Jeder Stein hat eine Zahl zwischen 1 und 13 und zwei Steine haben statt einer Zahl ein kleines Sternchen aufgedruckt, die sogenannten „falschen Joker“. Diese Runde bin ich dran mit Würfeln. Eine vier ist es, also zähle ich den vierten Fünferstapel aus und lege den übrigen Stein darauf. Dann würfel ich wieder. Diesmal ist es eine drei. Ich zähle den dritten Stein von unten aus dem Sechserstapel und lege ihn richtig herum oben auf den Stapel. Damit habe ich die echten und falschen Joker für diese Runde bestimmt. Der umgedrehte Stein ist die gelbe Sieben. Die beiden „falschen Joker“, die Steine mit den Sternchen drauf, werden in dieser Runde benutzt als seien sie gelbe Achten (nicht Siebenen, denn es gilt die jeweils einen höhere Zahl derselben Farbe) und die beiden echten gelben Achten werden wie Joker genutzt.

Nun bekommt Roberto, der rechts von mir sitzt, 15 Spielsteine und Dursun und ich je 14. Wir sortieren unsere Steine auf unseren Spielbänkchen, sodass niemand anders sie sehen kann. Auch fürs Austeilen der Steinchen gibt es bestimmte und recht komplizierte Regeln, etwas weiter unten werden diese in einem Video erklärt. Roberto fängt an und legt einen Stein den er nicht gebrauchen kann richtig herum auf seinen Abwurfstapel. Nun hat auch er nur 14 Steine. Dann ist Dursun an der Reihe. Er kann nun entscheiden, ob er den obersten (uns bisher einzigen) Stein von Robertos Abwurfstapel aufnehmen möchte, oder lieber einen der verdeckten Steine der Fünferstapel. Wenn er mit seinem Zug fertig ist, legt auch er einen nicht gebrauchten Stein auf seinen eigenen Abwurfstapel und ich bin dran.

Das Ziel des Spieles ist es, alle 14 Steine auf den in Sequenzen oder Sätzen einzubinden.

Jetzt darf ich zurecht “Finish” rufen.

Eine Sequenz ist eine mindestens drei Steine lange Reihe von aufeinanderfolgenden Zahlen derselben Farbe, z.B. die rote 9, 10, 11 oder die die schwarze 4, 5, 6, 7, 8. Hinter die 13 kann die 1 gelegt werden, allerdings nicht die 2 oder 3. Sätze sind Sammlungen derselben Zahl in verschiedenen Farben und können drei oder vier Steine beinhalten, z.B. die gelbe, schwarze und rote 4. Dabei darf keine Farbe doppelt vorkommen. Die Reihe schwarze 4, schwarze 4, rote 4 wäre damit ungültig.

Der „echte Joker“ (in diesem Fall die gelbe Acht) kann unabhängig von der Farbe jeden beliebigen Spielstein darstellen, z.B. rote 2, rote 3, gelbe 8 (wird als rote 4 genutzt). Der „falsche Joker“, also der Stein mit dem Sternchen, kann nur als gelbe 8 eingesetzt werden, zum Beispiel in der Sequenz gelbe 6, gelbe 7, „falscher Joker“, gelbe 9 oder in einen Satz von Achten.

Wer zuerst alle seine Steine in Sequenzen und Sätzen verbunden hat, legt seinen Abwurfstein falschherum aus und dreht sein Spielbänkchen um, sodass die anderen Spieler die Kombinationen überprüfen können. Alle anderen Spieler haben verloren. Es gibt die Variation, Punkte zu sammeln, dann werden den Verlierern nach jeder Runde Punkte abgezogen. Wir haben allerdings die einfachere Version gespielt und keine Punkte gesammelt.

Auch so dauert es einige Runden, bis ich Okey ganz ohne türkische Sprachkenntnisse verstehe. Ein paar Mal drehe ich mein Spielbänkchen um und rufe triumphierend „Finish!“, so laut dass sich auch die Männer an den anderen Spieltischen nach mir umdrehen. Doch Dursun schüttelt nur den Kopf, deutet auf eine Reihe und sagt „Problem“. Ich nippe an meinem schwarzen Tee, höre geduldig der türkischen Erklärung zu und versuche, mir einen Reim daraus zu machen. Roberto ergeht es nicht viel besser, doch nach dem dritten Glas Tee haben wir begriffen, was es mit den echten und falschen Jokern auf sich hat und nach dem vierten Glas fange ich an zu gewinnen. Je öfter ich „Finish!“ rufen kann, umso mehr Spaß macht mir „Okey“ und ich hätte noch Stunden weiterspielen können.

Am nächsten Tag geht es früh weiter nach Istanbul. Auf dem Basar dort halten wir die Augen nach einem Okay im Miniaturformat auf, finden aber leider nichts. Wenn jemand von euch ein Reiseokey entdeckt, bitte denkt an uns und schreibt uns!

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