Songkran in Nong Khai

Songkran in Nong Khai

Songkran in Nong Khai

Songkran in Nong Khai:
Alor Setar, Malaysia, September 2013

Ich stand auf der Ladefläche des kleinen Transporters als ich sie näher kommen sah. Sie waren noch Kinder, ihre Waffen waren fast schwerer als sie selbst. „Ausländer!“, riefen sie und rannten auf uns zu. Zwei von ihnen trugen mit Eiswasser geladene riesige Wasserpistolen, die anderen beiden trugen Schalen mit Blumenwasser.

Songkran in Nong Khai

Macht den Weg frei!

Sie kamen immer näher. Ich drehte mich um und sah meine 12 Mitfahrer. Sie lachten, wurden eingepudert und schütteten Eiswasser in alle Richtungen. Scheinbar musste ich diese Schlacht allein schlagen. Ich zielte und schoss, doch nur ein kleines Rinnsal floss aus meiner Pistole. Ich musste nachladen. Einer unserer großen Wasserbehälter ist fast leer, ich brauche länger als normal. Meine Gegner packten die Gelegenheit beim Schopfe und machten mich ordentlich nass.

Songkran in Nong Khai

Auf sie mit Gebrüll!

Anschließend gingen sie mit einer Tube Babypuder umher und rieben uns allen behutsam die Gesichter ein. Zwei verschiedene laute Popsongs schallten aus den Lautsprechern um mich herum, unser Pickup fuhr in Schrittgeschwindigkeit. Roberto grinste während er seine kleine Angry Birds Wasserpistole wieder auffüllte. Seine Haare und sein Gesicht waren klitschnass und weiß vom Babypuder.

Songkran in Nong Khai

Babypuder überall

Die anderen 11 Mitfahrer bestanden aus ein paar alten und ein paar neuen Freunden aus Nong Khai sowie anderen Touristen und Volunteers. Geschlagene drei Stunden standen und saßen wir nun schon auf der Ladefläche des Pickups und konnten seither nicht aufhören, zu lachen. Wir schossen, wurden beschossen, tanzten, sangen, ließen uns mit Babypuder einreiben und riefen “sook-san wan song-graan” oder “Sawasdee Pee Mai”Frohes neues Jahr! Die Einwohner von Nong Khai, Thailänder aus anderen Teilen des Landes sowie Ausländer feierten zusammen im Zentrum der Stadt und wir waren mittendrin. So viel wie an diesem Tag habe ich noch nie zuvor gelacht.

Songkran in Nong Khai

Unser Songkran Team

Unsere Freundin Mei Ling reiste am dritten Tag des thailändischen Neujahrsfests Songkran, weiter in den Nordwesten nach Chiang Mai. Während die Festlichkeiten im Rest des Landes nach drei Tagen ein Ende hatte, ging es in Chiang Mai erst richtig los. „Es ist verrückt und überall sind Leute. Die Musik ist so laut, direkt neben mir ist eine Rave Party und die Leute werfen unglaubliche Mengen von Wasser von der Bühne. So etwas verrücktes!“ In Chiang Mai wird die Party mit anderen Maßstäben gemessen. Die Wasserwerfer schrecken auch vor alten Leuten, Frauen in Abendkleidern und Busreisenden, die die Fenster offen gelassen haben, nicht zurück.

Songkran in Nong Khai

Alle gegen …

Songkran in Nong Khai

… einen. Armer Roberto

Tatsächlich aber ist Songkran weit mehr als eine verrückte Wasserparty. Traditionell geht es um eine Art Frühjahrsputz und um das Vergeben. Buddha Statuen werden aus den Tempeln getragen und mit Blumenwasser vom Staub reingewaschen. Alle Einwohner wollen an der Waschzeremonie teilnehmen und so kommt es, dass Menschenmassen sich um die Haupttempel herum versammeln und darauf warten, dass die Buddha Statuen herausgetragen werden. Dann spritzen sie wohlriechendes Blumenwasser in Richtung der Statue.

Songkran in Nong Khai

Songkran in Nong Khai. Danke Kirk für die Fotos!

Auch wir haben an der Reinigungszeremonie teilgenommen. Bis wir beim Tempel ankamen waren wir schon nass bis auf die Haut. Den anderen Besuchern erging es nicht anders. Überall wateten wir durch Wasserlachen, quetschten uns durch die Massen und bekamen immer wieder einen Schuss Wasser ab. Dennoch spürten wir die festliche Stimmung und als der Zug mit der Buddha Statue endlich vorbeikam ließen wir uns wie bei einem Rockkonzert von den Massen treiben, spritzten Wasser um uns und genossen den Moment. Später am Nachmittag wurde die Statue noch in einer Parade durch die ganze Stadt getragen.

Songkran in Nong Khai

Niemand ist sicher vor den Kindern

Nicht nur die Tempel werden zum thailändischen Neujahrsfest Songkran blitzeblank geputzt. Auch private Häuser, Schulen und andere Gebäude werden vom Staub der heißen Monate befreit. Der April ist der heißeste Monat des Jahres und kurz nach Songkran beginnt die Regenzeit. Aus rituellen Waschungen und kleinen Wasserschlachten zwischen Geschwistern beim Hausputz entwickelte sich mit der Zeit die Wasserschlacht. Heutzutage sind besonders Bangkok und Chiang Mai zur Songkran Zeit rappelvoll mit Touristen, denn dort werden die größten und exzessivsten Wasserschlachten veranstaltet. Für mich war Nong Khai der perfekte Ort für Songkran. Die Party war wild aber nicht zu wild und es gab die Möglichkeit auch bei den rituellen Waschungen und der Parade dabei zu sein.

Songkran in Nong Khai

Songkran auf die weniger wilde Art

Songkran ist eine Zeit für Respekt und Vergebung. Traditionell beten die jüngeren Familienmitglieder die Älteren förmlich darum, ihnen unangemessenes Verhalten und Respektlosigkeit zu vergeben. Sie bieten den Älteren dabei eine Schale aromatischen Wassers an. Nimmt der Ältere die Entschuldigung an, so reibt er sich das Gesicht mit diesem Wasser ein.

Etwas später schütteten wir Eiswürfel zum Wasser.

Etwas später schütteten wir Eiswürfel zum Wasser.

Auf der Straße trafen wir auf zwei junge Mädchen, die kleine Behälter voller Blumenwasser trugen. Sie fragten uns höflich um Erlaubnis bevor sie uns vorsichtig etwas davon auf die Schultern sprenkelten. Dazu murmelten die beiden gute Wünsche fürs neue Jahr.

Ich habe noch nie so lange ununterbrochen gelacht

Ich habe noch nie so lange ununterbrochen gelacht

Kurz darauf trafen wir ein paar Kinder mit Wasserpistolen und Eimern und dann zwei Jugendliche die nichts als eine Tube Babypuder bei sich trugen. Sie kamen zu uns und schmierten uns behutsam etwas Puder ins nasse Gesicht. Das weiße Puder ist ein Zeichen des Schutzes und soll den Teufel fern halten. Es soll auf dem Gesicht bleiben, bis es von allein weggewaschen ist. Die beiden unbewaffneten Jugendlichen wurden von den Wasserkämpfen weitgehend in Ruhe gelassen.

Songkran in Nong Khai

Wieder einmal ist Roberto das Opfer der Attacke

Mönche sind die einzigen, die – außer beim Tragen der Buddha Statuen – den Tag trocken verbringen. Zu viel Respekt haben die Menschen vor ihnen. Die wenigen Polizisten hingegen waren triefend nass.

Dieses Mal hatten wir nicht die Möglichkeit, bei einer Respektszeremonie dabei zu sein, doch wir veranstalteten Wasserschlachten mit den Einwohnern, sahen die Buddha Statue und fuhren sogar auf einem Party-Pickup mit. Unseren nächsten Thailandbesuch legen wir auf jeden Fall wieder auf Songkran.

Einiger der Fotos haben wir unserem Freund Kirk zu verdanken, der sich samt Kamera immer wieder zwischen die Fronten wagte. Unsere Freundin Mei Ling hat ihre Kamera sogar mit auf dem Pick Up genommen. Dank ihr können wir Euch auch die folgenden Fotos zeigen.

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