Von Geckos und Mangos – Sinaloa und Nayarit mit dem Fahrrad

Von Geckos und Mangos – Sinaloa und Nayarit mit dem Fahrrad

Land: Mexiko
Von Mazatlán bis Ixtlán del Río
Draus gelernt: Es gibt ein perfektes Schranksystem
Schönstes kleines Wunder: Tostadas mit Meeresfrüchten
Gesichtete Tiere:Salamander, Geckos, Leguane, Möwen
Geradelte Tage: 4
Geradelte Kilometer: 373
Durchschnittliche Kilometer pro Tag: 93,25
Insgesamt geradelte Kilometer: 27.977

Letzten Blog verpasst? Hier kommt er: Die letzten Tage in der Wüste – Baja California Sur mit dem Fahrrad Teil 3
Blog in English: Geckos and Mangos – Sinaloa and Nayarit by bicycle

Sinaloa und Nayarit mit dem Fahrrad.

Gut 20 Kilometer von La Paz liegt der Hafen. Dort nehmen wir die Fähre rüber aufs Festland. Etwa 13 Stunden brauchen wir von Pichilingue bis nach Mazatlán in Sinaloa.

Just one of the beaches near La Paz

Einer der Strände in der Nähe von La Paz

Our bed in the ferry Pichilingue - Mazatlan

Gut dass wir immer Apits Sarong dabei haben. Der macht sich gut als Notfallbettdecke.

Die Fähre ist sehr geräumig und nicht einmal halb voll. Wir sparen uns das Geld für die Kabine und legen uns auf dem Fußboden schlafen, genau wie die meisten anderen Fahrgäste. Das Ticket kostet 1.102 Pesos (plus 200 pro Rad) und wir bekommen sogar ein sehr leckeres warmes Abendbrot dazu.

Balandra beach

Tuly nimmt uns noch ein letztes Mal mit zum Strand, bevor wir uns auf in den Pazifik machen.

Ferry La Paz - Mazatlán

Auf der Fähre

Es fühlt sich an, als hätten wir ein anderes Land erreicht. Mazatlán erinnert mich stark an meine Stundententage in Guadalajara, der Geruch, der Verkehr, die Preise, die Architektur.

The mermaid of Mazatlán

Die Meerjungfrau von Mazatlán

Cheerleader's training outdoors at sunset

Cheerleader trainieren heute draußen

Wir übernachten in einer leerstehenden Wohnung der Cousine des Freundes der Schwester von Roberto. Es ist und bleibt heiß. So heiß, dass ich nachts mehrmals aufstehen und mich kalt abduschen muss.

Dolphin statue by the sea

Hier soll es auch lebendige Delfine geben, aber wir sehen leider keine.

Rock pool in Mazatlán

Der Rockpool ist besonders für die Nichtschwimmer eine sicher und spaßige Möglichkeit das Meer und die Wellen zu genießen.

Wir hatten gehofft dass es auf dem Festland etwas frischer sei, aber das war wohl nichts. Abends radeln wir die scheinbar endlos lange Strandpromenade entlang. Auch hier sind die Leute nach Sonnenuntergang sehr aktiv. Wir treffen auf Radler, Jogger, Schwimmer, Skateboarder und Inlineskater und sogar eine Rollschuhfahrerin.

Rock in the sea

Später am Abend springen zwei junge Männer immer wieder von dort oben ganz knapp an den Felsen vorbei ins Meer. Dafür verdienen sie genug Trinkgeld fürs Essen und schlafen.

Die Altstadt ist voller Bäume, Cafés und Restaurants, es ist herrlich. Das ganze Grün haben wir in der Baja doch etwas vermisst. Es ist herrlich. Einmal halten wir noch die Füße ins Meer, dann werden wir auf die Karibik warten müssen.

Mazatlán's muscle beach

Mucki-Strand von Mazatlán

Der Stadtverkehr ist ganz gut machbar, aber die feuchte Hitze schlaucht uns. In Villa Union teilt sich die Straße in Autobahn (cuota) und Landstraße (libre) auf. Sie verlaufen grob parallel zueinander. Wir wählen Option 3: eine schmale Nebenstraße zwischen den Feldern.

Sumo loves mermaid

Verliebter Sumo

Zunächst zwar etwas hügelig, aber sehr ruhig und idyllisch. In Amapa hört der Asphalt auf. Nie wieder trauen wir blind den Vorschlägen von google maps fürs Fahrrad. Fünfzehn Kilometer geht es über Stock und Stein.

Mazatlán's beach

Strand von Mazatlán

Zu beiden Seiten gibt es Felder, ein paar Kakteen und Bäumchen. Mit unserem Schweiß könnten wir die ausgetrockneten Felder bewässern. In Matadero ist es dann geschafft und wir lassen uns vor dem Dorfladen auf zwei Stühle fallen.

Mazatlán's rock pool

Mazatláns rock pool

Hier lernen wir Mariaelena kennen, die in Mazatlán studiert und an den Wochenenden nach Hause fährt. Heute spielt Mariaelenas Vater im Baseball Team des Dorfs um den ersten Platz der Kreisklasse und es wird eine Party vorbereitet.

Cheerleading outdoors at sunset

Ab in die Luft

Da ohnehin schon alles vorbereitet wird, nehme ich an, dass gefeiert wird egal ob das Team verliert oder gewinnt. Wenn das Bier erstmal kalt gestellt ist … wo ich aufgewachsen bin da machen wir das genauso.

Green mangoes on the tree

Diese Mangos sind auch bald knackig gelb.

Mariaelena, ihre Schwestern und Mutter haben Ceviche vorbereitet, das ist eine Art Salat mit rohem Fisch. Den Fisch hat Mariaelenas Vater selbst gefangen. Sehr erfrischend und lecker! Wir werden spontan in den Garten eingeladen, wo wir unterm Tamarindenbaum Ceviche Tostadas futtern und Agua de Jamaica (Hibiskuseistee) trinken.

We better hurry, there's a thunderstorm coming closer

Die dunklen Wolken die gefallen mir gar nicht. Auch wenn sie ein recht hübsches Licht zaubern.

Zum Abschied bekommen wir noch drei riesige Mangos aus dem Garten mit. Tolle Erfahrungen in einem Dorf das übersetzt „Schlachthaus“ heißt und im ach so gefährlichen Sinaloa liegt.

Corn stand in Mexico

Mein Lieblingssnack: Mais mit Majo, Limettensaft, Crema (Schmand?), Käse, Chili und Salz. Eine dicke Kalorienbombe, aber so lecker!

Der Name hat aber nichts mit Massenmördern zu tun, sondern mit der Eisenbahnstrecke die mitten durch die Kuhweiden führt und früher regelmäßig Kühe zerfetzte. Nun gibt es zum Glück Zäune um die Schienen herum.

On the way to El Rosario

Auf dem Weg nach El Rosario

Nach 17 Uhr wird es endlich kühler, dafür rückt ein Gewitter an. Wir hätten es fast vor dem Platzregen in die nächste Stadt geschafft, aber seit wir zurück auf der „Libre“ sind, ist der Verkehr fürchterlich und wir verbringen Ewigkeiten damit, am Straßenrand stehend die LKWs abzuwarten.

Welcome to Nayarit

Auf der Autobahn gibt es nicht wirklich viel zu sehen, da freuen wir uns über jedes Schild. Vor allem die, die anzeigen dass wir einen neuen Bundesstaat erreicht haben!

Am nächsten Tag radeln wir ganz selbstbewusst auf die Autobahn. Hier gibt es viel weniger Verkehr und einen durchgehenden Seitenstreifen. Eigentlich sind Fahrräder natürlich verboten, aber niemand kümmert sich wirklich darum. Das ist uns sehr recht. Wir halten an ein paar wilden Mangobäumen und Roberto pflückt uns ein nettes Frühstück zusammen. Die Fahrt auf der Autobahn ist unglaublich langweilig. Wir vermissen Dörfer, Läden und Menschen.

Autopista Mazatlán Guadalajara via Tepic mapa

An der Mautstation gibt es eine gute Übersichtskarte. Nur das seltsame Männchen unten rechts finde ich eher gruselig als süß. Wer denkt sich denn bitte so ein Maskottchen aus?

Aber es ist wirklich viel sicherer. Wir radeln über 130 Kilometer ab, alles was wir heute schaffen, müssen wir morgen nicht mehr machen. Dabei machen wir mehrere Tütchen Elektrolyte und unzählige Liter Wasser leer. Dementsprechend platt sind wir abends natürlich. Ich denke zurück an die gute alte Wüste in der Baja. Trockene Hitze ist im Nachhinein viel erträglicher als feuchte Hitze. Dafür können wir mit Geckos und Leguanen um die Wette fahren.

Cycling past an Agave field

Agavenfeld mitten in Sinalos. Wird hier vielleicht Mezcal gemacht?

Am nächsten Tag haben wir gut 80 Kilometer vor uns, in denen wir von Null auf 1000 Höhenmeter rauf müssen. Während der ersten 45 Kilometer geht es permanent rauf und runter, wir wundern uns, wann es denn nun endlich los geht. Als der Anstieg nach Tepic endlich vor uns liegt sind wir fix und fertig vom Schwitzen. 1000 Höhenmeter in 35 Kilometern, das macht fast 30 Höhenmeter auf jedem Kilometer, die Abfahrten zwischendurch nicht mitgezählt. Die folgenden paar Stunden bestehen aus 70% Schweiß und 30% Fluchen. Es ist fast dunkel als wir bei Carla und Andres ankommen.

Roberto, Andres and Carla at breakfast

Roberto, Andres und Carla beim Frühstück

Roberto hat mit Carla in Guadalajara studiert und nach über zehn Jahren sehen sich die beiden wieder. Ihr kleines Töchterchen ist mittlerweile stolze 15 Jahre alt, der Sohn fast 3 und seit zehn Tagen ist die Familie fünfköpfig. Einen Namen hat der kleine Pups noch nicht, aber er ist so zuckersüß, ich will ihn gar nicht wieder hergeben.

Cute little guy didn't have a name yet, so Roberto called him Fulgencio.

So ein süßer kleiner Fratz. Roberto beschließt, ihn einfach Fulgencio zu nennen bis er einen Namen bekommt.

Wir übernachten bei Carlas Vater Don Arturo, einem extrem ordentlichen und lustigen Mann, der uns stolz seinen aufgeräumten Kleiderschrank präsentiert. Sortiert wird sowohl nach Jahreszeit, als auch nach Länge, Farbe und Nutzen. Frisch gewaschene Kleidung wird hinten aufgehängt und angezogen wird was vorn hängt.

Nachito and his family in their shop "Hecho a mano Creadores Mexicanos"

Nachito und seine Familie sind Besitzer des Lädchens “Hecho a mano Creadores Mexicanos” in dem Handgemachtes zu fairen Preisen verkauft wird

So kommt jeder Kleidungsstück mal dran. „Und wenn Sie mal Lust auf ein Hemd haben, das gerade nicht vorn hängt?“, fragt Roberto verdutzt. Nein, da ist Don Arturo eisern. Im Herbst erwarten er und seine Freundin ein Baby, das wird dann der Onkel zu Carlas drei Kindern.

Our presentation at the Mukti Shala in Tepic

Präsentation im Mukti Shala in Tepic

Wir halten eine kleine Präsentation und lernen dabei Hector Alejandro kennen, den aktivsten warmshowers Gastgeber der Stadt. Natürlich kennt er warmshowerer Tuly aus La Paz, Othon von der Casa del Ciclista in San Ignacio und unsere Freundin Sandra aus Tijuana. Mit ihm und seinem Freund Nachito gehen wir am nächsten Tag Meeresfrüchte essen. Tepic liegt zwar nicht am Meer, aber ist dennoch berühmt für seine Tostadas mit Meeresfrüchten.

Huge seafood tostada

Da läuft mir beim Angucken gleich wieder das Wasser im Munde zusammen.

Die beiden empfehlen uns die Spezialität des Hauses und ich bin hin und weg. Rohe und gekochte Shrimps, Oktopus, Muscheln, Fisch und „Callo de Hacha“, eine ganz delikate Muschelart (Kammmuscheln?) mit viel Limettenensaft, Salatgurke und ein bisschen Chili auf drei Tostadas gestapelt. Dazu Sojasoße, scharfe Soße und mehr Limetten. Mein Bauch ist kugelrund als wir das Restaurant verlassen.

Deliciosness on tostada

Die perfekte Tostada

Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg. Wieder radeln wir auf der Autobahn statt der Landstraße. Dadurch kriegen wir von umliegenden Dörfern kaum etwas mit und machen auch mehr Höhenmeter jeden Tag, aber wir haben einen Seitenstreifen. Die Temperatur ist hier oben etwas besser machbar, aber es ist fürchterlich schwül.

Green Nayarit

Der ganze Regen hat auch etwas Gutes – die Landschaft ist grün und morgens ist es oft noch frisch!

3700 Meter müssen wir heute und morgen insgesamt hinauffahren. Am dritten Tag dann nur noch 500 Meter. In der Baja waren 500 Höhenmeter an einem Tag brutal, hier sind die Maßstäbe nun anders. Doch der geschaffte Anstieg nach Tepic gibt uns Selbstvertrauen und langsam aber sicher schleichen wir die Berge hinauf.

Ciclistas de Ixtlán del Río

Unsere Begleitung für die letzten paar Kilometer

Kurz vor Ixtlán del Río treffen wir auf eine Truppe Radler, teils mit Mountainbike, teils mit Rennrad. Wir radeln ein bisschen zusammen und sie führen uns zur billigsten Bleibe der Stadt. Für 200 Pesos haben wir hier unser eigenes Zimmer mit Dusche und Klo. In den USA haben wir umgerechnet 200 Pesos für einen Hiker Biker Zeltplatz ausgegeben.

Mexican Hot Dog stand

Drei Hot Dogs für 35 Pesos! Da kann Ikea nicht mithalten.

Nachdem wir uns Schweiß, Staub und Sonnencreme abgeduscht haben, spazieren wir durch die Stadt. Neben der Kirche befindet sich der Stadtplatz, der Treffpunkt für Jung und Alt.

The plaza of Ixtlán del Río

Das Zentrum von Ixtlán del Río

Schülerinnen in Uniform spazieren quatschend im Kreis um den Platz, ältere Herren in Hemd und mit Hut kichern auf einer Bank, junge Eltern beobachten ihre Jüngsten wie sie in gemieteten elektrischen Kinderautos um den Platz schleichen und verliebte Paare schmachten einander an. Zwei untersetzte Damen verkaufen 3 Hotdogs zu 35 Pesos.

Church of Ixtlán del Río

Natürlich liegt der große Platz gleich neben der grüßten Kirche.

Ein junger Mann aus Michoacán baut sich sein kleines Business im Luftballonverkauf auf und neben ihm unterbricht ein Mann Anfang vierzig seine Zigarette, um einen Becher voller Mais zu verkaufen. Es ist so ruhig und friedlich, sogar im Straßenverkehr gibt man aufeinander Acht.

Balloon sale!

Luftballonverkäufer

Die Bundestaaten Nayarit und Sinaloa haben uns mit Obst, malerischen Dörfern, leckeren Meeresfrüchten und grünen Landschaften verwöhnt, da vergessen wir schnell die steilen Anstiege und die Hitze. Nun geht es auf in den fünften Bundestaat der Reise: nach Jalisco, der Heimat des Tequilas und der Mariachis. Mehr dazu im nächsten Eintrag: Im Land der Mariachis und des Tequilas – Jalisco mit dem Fahrrad

 

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