Wangenmuskelkater

Annika drings a Refreshing melon shake for sugar and power

Erfrischende Melonenshakes versorgen mich mit Power und Kalorien

Land: Laos und Kambodscha
Von Don Det nach Kratie
Draus gelernt: Zehnjährige fahren besser Mofa als Erwachsene Auto fahren können
Drüber gelacht: Die Schlafanzug-Kultur
Schönstens kleines Wunder: Wangenmuskelkater vom Grinsen
Gegessen: Nudelsuppe, Ovaltine und gebratener Reis
Größte Herausforderung: vernünftige Preise für Essen und Wasser zu finden
Geradelte Tage: 4
Geradelte Kilometer: 245,39
Insgesamt bis Don Det geradelte Kilometer: 10821,38
Reisetage von Bremen bis Don Det: 634

Siem Reap, Juni 2013: Radreise durch Kambodscha Teil 1

Das Fieber ist schon längst vorbei als wir an der kambodschanischen Grenze stehen. Nur ein Ausschlag verrät noch dass mich das böse Denguefieber gepackt hat. Zum Glück radeln wir allein und nicht in Begleitung eines Touristenbusses. Die gesundheitliche Untersuchung die alle anderen Touristen über sich ergehen lassen müssen fällt daher aus. Der Grenzbeamte ist allein und hat keine Lust bei uns Fieber zu messen.

He was witing for his father. But his older siblings already drove their own motorbikes

Er wartete nur auf seinen Vater, aber seine älteren Geschwister rollten schon auf den eigenen Mofas herum

Nach einer halben Stunde klebt das Visum im Pass und schon radeln wir auf der anderen Seite weiter. Es ist heiß wie immer, doch der Wald wurde noch stärker abgeholzt als in Südlaos und Schatten gibt es überhaupt keinen. Dörfer auch nicht. Ich bin noch ziemlich schlapp und gleich im ersten Dorf machen wir nach nur 35 Kilometern Feierabend. Ein Gasthaus gibt es nicht und es ziehen ein paar fiese schwarze Wolken auf. Wir fragen nach einem Unterstand für das Moskitonetz und landen für 5 $ bei einem netten Mann zu Hause. Eine Toilette hat er nicht (wo geht er denn dann?) aber einen Wasserschlauch zum Duschen gibt es.

Am nächsten Morgen geht es weiter. Keine 60 Kilometer haben wir vor uns, doch ich brauche 3 Pausen und bin völlig platt als wir in Stung Treng ankommen. Scheinbar muss ich mich doch noch ein wenig auskurieren.

A local decided to convert his spare room into a guesthouse for a night

Spontan verwandelte ein netter Mann seinen leeren Raum in ein Hotelzimmer

Wir bleiben eine geschlagene Woche in Stung Treng. Dort gibt es rein gar nichts zu sehen. So habe ich kein schlechtes Gewissen, ein paar Tage mit E-Mails, Filmen und facebook zu verbringen und einfach nur wieder zu Kräften zu kommen. Dabei hilft enorm eine tägliche Kalorienbombe namens Ovaltine (Kakaopulver in einer Zuckerrohrsaft-Kondensmilch-Mischung auf Eis) für etwa 0,30 €.

Delicious Ovaltine

Lecker Ovaltine

In jedem Restaurant gibt es gratis Tee mit abgekochtem Leitungswasser und Eiswürfel (hoffentlich ebenfalls aus purifiziertem Wasser), doch für eine Flasche Trinkwasser müssen wir recht weit in die Tasche greifen.

Immer wieder treffen wir uns mit Rebecca und Axel die wir in Don Det kennen gelernt haben. Die beiden arbeiten an einer Forschung und führen 600 Interviews mit einheimischen Familien in 20 verschiedenen Dörfern durch. Einen Tag lang begleiten wir Rebecca bei der Arbeit und lernen viel über das Leben in den Dörfern dazu. Besucht haben wir selbst schon so einige Dörfer, aber verständigen konnten wir uns dabei bisher nie.

Rebecca, Axel and their team

Rebecca, Axel und ihr Team. Danke Rebecca für das Foto!

In Stung Treng gefällt mir persönlich nicht besonders. Besonders im den Markt herum ist es sehr dreckig, Essensreste liegen auf der Straße verteilt, ein Hund isst eine (volle) Babywindel, Ratten und Kakerlaken bevölkern die Straße nachts. Wir finden zwar endlich Spiritus zum kochen, doch die Preise für Obst und Gemüse auf dem Markt sind für uns locker doppelt so hoch wie normal. Dann bleiben wir eben bei gebratenem Reis abseits des Marktgeländes. Nach ein paar Tagen schmeckt sogar die Nudelsuppe wieder. Doch die Menschen machen alles wieder wett. Viele Frauen tragen den ganzen Tag lang einen Schlafanzug. Das ist einer oft gehörten Theorie zufolge ein Überbleibsel der französischen Koloniezeit. Der Schlafanzug galt lange als Zeichen dafür, dass man genügend Geld hatte, um sich besondere Kleidung nur zum Schlafen kaufen zu können. Wer einen Schlafanzug besaß, trug ihn auch tagsüber als Statussymbol. Heutzutage wird er genutzt, weil er bequem und leicht ist und vor der Sonne schützt. Die beliebtesten Muster sind Eisbären, Teddys, Zeichentrickfiguren und – wie könnte es auch anders sein – Angry Birds.

A lady in her favorite pyjama

Eine Frau in ihrem Lieblingsschlafanzug

Als wir endlich startklar sind, ist es bewölkt. Da haben wir aber Glück gehabt. Ich fühle mich viel fitter als in der Woche zuvor und brauche in 72 Kilometern nur zwei kurze Pausen. Die Straße ist teils asphaltiert und bei jedem Stück Sandweg müssen die wenigen anderen Autos abbremsen. Ich finde das sehr praktisch denn in einem Land, in dem schon 10-jährige Kinder ihre Geschwister auf dem Mofa hin und her fahren, machen unbeabsichtigte Bremshubbel die Straße ein ganzes Stück sicherer.

Abends erreichen wir endlich ein Dorf. Wir fragen uns nach einer Schlafmöglichkeit durch und bekommen ein Zimmer für 5 US-$ angeboten. Drin steht nichts als ein hölzernes Bettgestell. Für 4 US-$ ziehen wir ein, denn es gibt sogar echte Hocktoiletten mit Tür und einen Duschraum. Traditionell wird in Südostasien anders geduscht, als zu Hause. Hier gibt es eine große Wanne voller Wasser, auf dem eine Schöpfkelle schwimmt. Mit dieser begießt man sich, sodass das dreckige Wasser auf dem Fußboden landet und nicht im Becken mit sauberem Wasser. Warmwasser hatten wir schon seit Wochen nicht, wozu auch? Die Luft ist doch schon warm genug.

Ich will gerade nach einem Ventilator für unser Zimmer fragen, da fällt mir auf, dass es gar keine Steckdosen gibt. Der Besitzer schraubt uns spontan eine Glühbirne in die leere Fassung und erklärt, dass es ab 18 Uhr Strom geben wird.

Annika in the sun

Unterwegs. Die Sonne knallt wie immer. Danke Rebecca für das Foto!

Um Punkt 18.30 versammelt sich die ganze Familie vorm Fernseher. Es läuft eine halbfertige Version von The Wolverine mit Schwarzweiß-Zeichnungen statt Computeranimationen und halb zusammengeschnittenen Actionszenen. Die thailändischen Synchronstimmen werden von nur zwei Personen gesprochen. Die Familie stört das weniger, sie sitzen gebannt vor dem Bildschirm.

Erst nach 7 Uhr sitzen wir wieder auf den Rädern. 16 Kilometer später fahren Rebecca, Axel und ihr kambodschanisches Team an uns vorbei. Sie haben ihre Forschung abgeschlossen und sind nun auf dem Heimweg. Wir schießen ein paar Fotos und Rebecca verteilt Bonbons aus Deutschland bevor wir alle weiterziehen. Nach einer Bratreispause kommt endlich die Kreuzung. In 15 Kilometern würden wir wieder direkt neben dem Mekong radeln.

On the road.

Unterwegs über Sandpisten. Danke Rebecca für das Foto!

Nach 50 Kilometern muss Roberto auf die Toilette. Wir stecken mitten in einem Dorf und es will sich beim besten Willen kein Plumpsklo finden lassen. Immer wieder werden wir weggeschickt. Es dauert eine Weile, bis wir verstehen: die Menschen haben selbst keine Toilette und es ist ihnen peinlich, das Stück Wald hinter dem Haus anzubieten.

Bald erreichen wir den Mekong und radeln durch viele Dörfer. Die Kinder rufen uns aus voller Kehle „Hello“ und „Bye Bye“ hinterher. Wenn wir nicht sofort antworten, brüllen sie noch viel energischer. Wir winken, lachen und rufen unaufhörlich. Am Ende des Tages habe ich Wangenmuskelkater vor lauter Grinsen.

Roberto cycles the Mekong Road

Immer am Mekong entlang

Wir erreichen Kratie am Nachmittag. In der kleinen Stadt gibt es einige Pensionen, einen vergleichbar sauberen Markt mit fairen Preisen (kleine Wassermelone für 0,50 US-$) und endlich sogar bezahlbares Wasser. Juhu, der Wasserfilter kann wieder eingepackt werden. Das Leitungswasser schmeckt nämlich nicht besonders lecker. Allerdings gibt es das Trinkwasser nur in 0,5 Liter Flaschen. Ich werde wohl nie verstehen, warum 1,5 Liter Flaschen oder gar die großen 15 Liter Behälter so viel teurer sind. Der ganze Plastikmüll wird jeden Abend von armen Familien eingesammelt und bei der Recyclingstation gegen ein paar Cents eingetauscht.

Dog Meat Restaurant

Spezialitäten in Kratie. Da bleibe ich doch lieber bei der Nudelsuppe

In Kratie legen wir ein paar Schreib- und Recherchetage ein. Dann soll es weiter gehen. Knapp 1200 Kilometer sind wir nun am Mekongufer entlanggefahren. In zwei Tagen werden wir uns trennen. Der Mekong fließt dann weiter gen Vietnam und wir radeln nach Westen in Richtung Thailand.

 

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