Durch Palmölplantagen ans Meer

On the way to Krabi

Auf dem Weg nach Krabi

Land: Thailand
Von Chaya nach Ao Nang, Krabi
Draus gelernt: Wer keine Klettertechnik hat, braucht mehr Kraft um ans Ziel zu kommen
Drüber gelacht: Meine schiefen Karaokeversuche
Schönstens kleines Wunder: Eine traumhafte Insel zum rüber laufen
Gegessen: 8000 Frühstückskalorien, Fisch-Curry, Erdnüsse, Mangostane, Rambutan und Litschis
Größte Herausforderung: Muskelkater
Geradelte Tage: 2 1/2
Geradelte Kilometer: 211,73
Insgesamt bis Ao Nang, Krabi geradelte Kilometer: 12510,98
Reisetage von Bremen bis Ao Nang, Krabi: 690

August 2013: Mit dem Rad durch Thailand Teil 4

Die Sonne scheint! Das wurde auch Zeit, endlich kann die vor vier Tagen gewaschene und mittlerweile müfflige Wäsche trocknen. Wir frühstücken in einem riesigen Supermarkt und stopfen alles rein was Platz hat. Mit einem kugelrunden Bauch robbe ich zurück aufs Rad. Gegenwind und die kaputte Gangschaltung erleichtern das Vorankommen nicht gerade. Am meisten bremsen mich aber die gefühlten 8000 Frühstückskalorien, die verarbeitet werden wollen.

Sunshine and palm oil

Sonnenschein und Palmöl

Heute erreichen wir eine Schnapszahl, die wir so ähnlich erst in 111.111 Kilometern wieder erreichen werden: die ersten 12.345 geradelten Gesamtkilometer. Drauf anstoßen können wir nur mit lauwarmem Wasser, denn den halben Tag lang sehen wir nichts als Palmölplantagen, eine Getränkefabrik (allerdings ohne Verkauf) und Palmölraffinerien.

Warm water, cool champagne - what's the difference?

Kalter Sekt – warmes Wasser – wo ist der Unterschied?

Dörfer gibt es keine, da zwischen den Plantagen gar kein Platz für Häuser und Gemüsegärten wäre. Nach gut 60 Kilometern verlassen wir die Hauptstraße und biegen auf die Bundestraße 41 ab. Die Gegend bleibt grün und verlassen. Mit Müh und Not treiben wir ein Abendessen zum Mitnehmen auf, bevor wir völlig überraschend hinter einer Kurve eine Karaoke Bar auftaucht.

Happy Rambutan

Für eine Rambutan ist immer Platz. Hinter der haarigen Schale verbirgt sich eine süße weiße Frucht. 

Wir versuchen unser Glück und fragen nach einem Zeltplatz. Der Besitzer Saksit bietet uns an, im Garten das Zelt aufzubauen und im Haus zu duschen. Klasse! Gleich darauf sitzen wir mit unserem mitgebrachten Fisch-Curry auf der Veranda, futtern Erdnüsse, Mangostane, Rambutan und Litschis und trinken Bier mit Saksit und seiner Frau. Vor einem halben Jahr haben sie ihre Karaokebar eröffnet.

Saksit and his wife helped us out with a very safe and comfi camping spot. Live music included

Unser gemütlicher Zeltplatz auf weichem Gras mit Livemusik! Da kommen Festivalgefühle auf. 

Woher die Besucher kommen weiß ich nicht, denn auch am nächsten Tag entdecken wir kaum Dörfer am Straßenrand. Doch der Betrieb läuft gut und die beiden sind zufrieden. Nebenher arbeitet Saksit noch als Angestellter anderswo und seine Frau kümmert sich um die Landwirtschaft (im Garten hören wir die Schweine grunzen). Als Saksit die Karaokemaschine anwirft, trällern wir abwechselnd thailändische Popsongs (er) und englische Rockballaden (wir). Unsere neuen Freunde sind sehr herzlich und neugierig. Die Grillen zirpen, das Bier schmeckt super, und das Zelt steht auf weichem Gras. Was für ein Glück wir doch manchmal haben!

Hilly road towards the sea

Es bleibt hügelig

Schon morgens um 7 Uhr ist es zu heiß zum Schlafen. Ich bin genauso platt wie am Vortag. Neun Tage sind wir nun ohne Ruhetag unterwegs. Die Straße bleibt hügelig und bald radeln wir durch Karstfelsen. Krabi ist nicht mehr weit! Zwei Schlangen kreuzen die Straße. Die größere ist über einen Meter lang und taucht so plötzlich auf, dass Roberto sie um ein Haar überfahren hätte. Eine Stunde vor Sonnenuntergang folgen wir der Beschilderung zu einer Bucht.

Busy man in his office without doors

Vielbeschäftigter Geschäftsmann in seinem türlosen Büro

Am Wasser gibt es immer Gasthäuser. Die letzten paar Kilometer bis an den Strand können wir auch am nächsten Tag noch machen. Wir treten ordentlich in die Pedale. Die Steigungen sind jetzt viel kürzer aber auch steiler. Ich muss in den zweiten Zahnkranz zurückschalten, auch wenn ich weiß, dass ich nicht einmal mit Gewalt den Dritten wieder rein kriege.

The bay at sunset

Unsere Bucht bei Sonnenuntergang

Gerade noch rechtzeitig zu Sonnenuntergang erreichen wir die Bucht. Dummerweise gibt es nur gehobene Unterkünfte. Es ist zu spät, um die 9,5 Kilometer zurück zur Straße zu radeln und an einer anderen Bucht unser Glück zu probieren. Eigentlich hätten wir sehr gern geduscht, aber über 600 Baht für eine Übernachtung sind wirklich nicht drin. Wir radeln bis wir ein Stück Rasen neben einem neuen und modernen Haus sehen. Im Garten macht ein Mann ein Lagerfeuer.

Jack and his little son

Jack und sein kleiner Sohn (der ohne Bart auf der linken Seite)

Roberto fragt nach einem Zeltplatz und der Mann, Jack, erklärt, dass er selbst gar nicht der Besitzer des Grundstücks ist. Mit seiner Familie hütet er das Haus für die Besitzer. Ein freies Zimmer gibt es auch und Jack bietet uns an, die Nacht drinnen zu verbringen. Sogar waschen können wir uns. Schon wieder haben wir Glück gehabt!

Our view on the sea by the following morning

Schlafplatz mit Meeresblick

Am nächsten Morgen sieht die Welt gleich ganz anders aus. Ich bin nicht mehr ganz so kaputt und da wir den ganzen Tag Zeit haben, radeln wir etwas gemütlicher. Die Beschilderung ist sehr verwirrend und wir rauschen direkt an unserer Abbiegung zum Ao Nang Strand vorbei. Hier wollen wir ein paar Tage verschnaufen, bevor es weiter nach Malaysia geht.

Elephant transport in Thailand

Seltener Anblick im Straßenverkehr: Ein Radler!

Wir fragen in sechs Gasthäusern nach dem Preis bevor wir gegen Mittag im „Aus Thai“ einziehen, das von einer sehr hilfsbereiten Familie geleitet wird. Wir schlendern zwischen überteuerten Restaurants mit Nebensaisonrabatten, Souvenirshops, Reisebüros und Bars die Strandpromenade entlang, bevor wir uns am frühen Nachmittag an den Strand legen.

Es riecht nach Sonnencreme. Kreischende und plantschende Kinder mit Sonnenhut rennen den Strand auf und ab, ein älterer Mann verkauft Erfrischungen, hinter uns stehen die Massagehütten aus Bananenblättern. An meiner Bierdose klebt der Sand, ich blicke auf die Kalkfelsen und das Rauschen der weichen Wellen dringt in mein Ohr. So habe ich mir den Urlaub vorgestellt! Die Ruhepause haben wir uns wirklich verdient. Immerhin sind wir nonstop in 9 ½ Tagen 860,23 Kilometer geradelt, das macht über 90 Kilometer am Tag.

It smelled like salt and there were boats between palm trees. The beach could not be far anymore!

Wind, Salzduft und Boote zwischen den Palmen? Das Meer kann nicht mehr weit sein!

Am nächsten Tag beschließen wir, an den Nachbarstrand Noppharat Thara zu radeln. Ganz am Ende entdecken wir völlig unverhofft eine winzige Insel mit einem schlanken Sandstrand und Meer zu beiden Seiten. Wir schnüren den Rucksack enger und waten durchs hüfthohe Wasser hinüber zur Insel. Da noch Nebensaison ist, teilen wir die kleine Insel mit kaum zehn anderen Touristen. Links ist das Meer ruhig und warm, rechts etwas aufgewühlter und kälter. Ich bin hin und weg von der schönen Kulisse. Als wir am späten Nachmittag zurück ans Festland waten wollen, hat die Ebbe jede Menge Watt freigelegt und wir kommen trockenen Fußes zurück an den Hauptstrand.

Thailand: One beach - two bays.

Ein Strand mit zwei Buchten. Das ist der coolste Strand den ich je gesehen habe.

Zwei Tage später sitzen wir wieder auf den Rädern und fahren ein paar Kilometer zur Nammao Bucht. Von dort aus kosten die kleinen Boote hinüber zur Railay Halbinsel nur 60 Statt 100 Baht pro Fahrt und Person. Auf Railay angekommen machen wir uns direkt auf den Weg zur Lagune. Inmitten der Kalkfelsen soll sie liegen und um dort hinzugelangen muss man ein paar Wände herunterklettern.

The famous rocks of the Railay peninsula

Die berühmten Felsen von Railay

Überhaupt ist die Küste um Krabi herum berühmt für seine Kletterfelsen und –schulen. Doch der Weg zur Lagune soll auch ohne professionelle Ausrüstung machbar sein. Wir versuchen unser Glück. Zunächst geht es recht steil bergauf, ein paar dicke Taue mit Knoten erleichtern den Aufstieg. Oben angekommen stehen wir vor dem Abhang. Glauzia, eine schüchterne Geologin aus Brasilien schließt sich uns an und gemeinsam hangeln wir uns den ersten steilen Teil herab.

Indiana and Indiannika Jones

Indiana und Indiannika Jones

Dann stehen wir vor dem ersten von drei Abhängen. Senkrecht geht es hinunter. Zwei Seile helfen beim Klettern. Ich mache den Anfang. Teils seile ich mich herab, teils suche ich nach Griffen für Hände und Füße. Drei solche Wände müssen wir bezwingen. Glauzia gibt bei der zweiten auf. Wir versuchen es weiter. Mit Viel Glück und Kraft und wenig Technik erreichen wir heile den matschigen Boden der Lagune. Der Boden ist felsig und voller Ton, Schlick und Schlamm. Zum Baden lädt die Lagune nicht gerade ein, der Abstieg hat sich aber allein wegen des Abenteuers und der Klettererfahrung gelohnt.

We made it to the lagoon! Next time I will leave the plastic shoes at the view point and climb barefoot.

Die stolzen Kletterer in Plastikschuhen.

Der Rückweg ist anstrengender aber auch technisch einfacher und bald haben wir es bis zum Aussichtspunkt geschafft von dem man auf die Halbinsel gucken kann. Ich bin stolz auf meine Leistung und finde dass ich mir das mitgebrachte Snickers nun wirklich verdient habe. Wir klettern zurück nach unten und besuchen drei der vier Strände der Halbinsel, wo wir den Affen dabei zusehen, wie sie schlafenden Touristen die Getränke stibitzen. Es ist bewölkt und das Bad im Meer tut gut. Am nächsten Morgen tun mir vom Radeln, Klettern und Schwimmen alle Muskeln weh.

Wir bleiben noch einen komplett verregneten Tag, dann machen wir uns auf zur letzten Etappe in diesem wunderschönen Land: die letzten drei Tage in Thailand bevor es nach Malaysia geht.

 

 

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