Im Land der Mariachis und des Tequilas – Jalisco mit dem Fahrrad

Roberto cycling through agave fields

Hier wächst Agave

Im Land der Mariachis und des Tequilas – Jalisco mit dem Fahrrad

Land: Mexiko
Von Ixtlán del Río bis Guadalajara
Draus gelernt: Großstädte sind kein Radelspaß
Schönstes kleines Wunder: Eine Tasse Tequila in der Altstadt von Tequila
Gesichtete Tiere: Geckos, Mücken, Maikäfer
Geradelte Tage: 2
Geradelte Kilometer: 135
Durchschnittliche Kilometer pro Tag: 67,5
Insgesamt geradelte Kilometer: 28.112

Jalisco mit dem Fahrrad

Letzten Blog verpasst? Hier kommt er: Von Geckos und Mangos – Sinaloa und Nayarit mit dem Fahrrad
Blog in English: Jalisco by bike

Im Land der Mariachis und des Tequilas – Jalisco mit dem Fahrrad. Der Morgen beginnt regnerisch, doch als wir startklar sind ist es nur noch bewölkt. Trotz schmerzender Beine und happiger Höhenmeter setzen wir ein flottes Tempo an, denn für den Nachmittag sind Gewitter gemeldet.

Cycling towards Jalisco

Auf dem Weg nach Jalisco

Wir radeln hinauf durch die Wolken. Links und rechts ist es üppig grün, ein paar Lianen hängen hinunter auf die Straße. Es zirpt laut um uns herum, in der Ferne stürzt sich ein Wasserfall in die Tiefe. Wir fühlen uns wie im Regenwald. Dann geht es bergab in einen Canyon und wir sind plötzlich von Feldern und Kühen umgeben. Auf dem Anstieg nach dem Canyon riecht es nach Nadelwald und die Laubbäume mischen sich mit Kiefern. Es ist unglaublich, wie schnell die Vegetation hier sich doch ändert.

Green Nayarit

Alle paar Kilometer eine neue Landschaft!

Seit wir uns ein Smartphone zugelegt haben, hat sich so einiges für uns geändert. Vorbei sind die Zeiten, in denen in meiner Hoentasche ein kleines nassgeschwitztes Zettelchen klebte, auf dem eine grobe Routenbeschreibung steht, die selten mit der Landkarte oder gar der Realität übereinstimmt. Nein, heute haben wir google maps und doogal. Gut vorbereitet wie wir sind, haben wir das heutige Höhenprofil rausgesucht und fotografiert, doch es will so gar nicht hinkommen. Es geht bergauf statt bergab, bergab statt bergauf und es bleibt hügelig, wo alles flach sein sollte. Erst als wir tatsächlich eine flache Strecke erreichen, wird mir klar, dass ich die Strecke rückwärts eingegeben habe und wir das Höhenprofil falschherum lesen. So geht es auch.

Roberto cycling through agave fields

Es geht durch Agavenfelder

Ab Magdalena fahren wir wieder auf der Landstraße. Der Verkehr ist gut machbar und es gibt sogar einen schmalen Seitenstreifen. Seit wir den Bundesstaat Nayarit verlassen und Jalisco betreten haben, sehen wir auch häufiger Agavenfelder. Aus der blauen Agave wird unter Anderem Tequila gewonnen. LKWs voller Agaven sausen an uns vorbei. Sie sind auf dem Weg zu unserem heutigen Tagesziel: Das Pueblo Mágico „Tequila“.

Painting of the Agave harvest

So wird Agave geerntet

Hier kommt das berühmte Getränk her. Die vielen Tequila Fabriken lassen wir links liegen, die haben wir uns vor Jahren schon angesehen. Stattdessen schlendern wir durchs Stadtzentrum und gönnen uns ein Tässchen Tequila mit frisch gepresster Orange, Limette, Grapefruit, Eiswürfeln, Salz, Chilipulver und Grapefruitlimonade. Die Tontasse in der die Mischung bereitet wird, dürfen wir behalten.

Delicious Tequila

Tequila in Tequila

Abends um 22 Uhr fallen wir völlig ausgelaugt ins Bett. Heute haben wir uns wieder eine Bleibe mit Dach gegönnt, die uns eine Radlerin aus Guadalajara empfohlen hat. Die Besitzerin ist eine Dame mit großem Herzen und einem Auge für Pflanzen. Sie vermietet neben unserem Zimmer auch den Rest der Ferienwohnung, sowie einen wunderschön idyllisch angelegten Garten.

Teraza Premier in Tequila

Unser hübsches kleines Zuhause für heute

Wir wachen noch vor dem Wecker vom Donner auf. Wie jeden Morgen gewittert es. Es ist Regenzeit in Jalisco und das bedeutet normalerweise sonnige und bewölkte Tage und regnerische Abende und Nächte. Heute zieht sich das Gewitter aber hin. Mir ist das recht, meine Beine brauchen noch etwas mehr Ruhe nach den Höhenmetern der letzten Tage.

Flooded street in Tequila, Jalisco

Bei dem Wetter hätten wir mit dem Kajak bessere Chancen als mit dem Rad.

Die Straße ist völlig überflutet und wir beschließen, das Wetter zumindest eine Weile lang auszusitzen. Ich lese und Roberto sieht fern bis es um 10.30 Uhr nur noch nieselt. Bei dem Wetter ist die ausgedehnte Mittagspause unnötig geworden, daher können wir für die letzten 60 Kilometer aus etwas später starten.

Blue Agave fields

Eines Tages wird aus diesen hübschen Pflänzchen ein leckerer Tequila!

Als wir endlich aus der Stadt rollen, regnet es wieder stärker, doch das ist uns nun auch egal. Der Verkehr hat merklich zugenommen und der Seitenstreifen verschwindet kaum dass wir das Ortsschild hinter uns gelassen haben. Wir fahren hoch konzentriert und weichen immer wieder ins Gebüsch aus, wenn wir sehen dass von vorn und hinten zugleich ein großes Fahrzeug kommt.

Preparing Tequila in a clay cup in Tequila

Diese Dame macht in windeseile leckere Tequila Cocktails.

Als wir gerade am Straßenrand den Verkehr abwarten, rennen drei spielende Hunde aus dem Nichts auf die Straße. Die hinteren beiden halten noch rechtzeitig an, doch der schnellste rennt direkt unter die Räder eines LKWs. Mir schießen sofort die Tränen in die Augen. Erst drei Autos später ist der Hund tot. Ein junger Mann packt ihn bei den Hinterbeinen und schleift ihn hinter sich her. Wem der Hund gehört weiß er auch nicht.

Historic Center of Tequila, Jalisco

Altstadt von Tequila, Jalisco

In 28.000 Kilometern haben wir viele tote Tiere am Straßenrand gesehen, oft riechen wir sie noch bevor wir sie sehen können. Doch wir mussten zuvor noch nie Zeugen einer solchen Tragödie sein. Als ich mich einigermaßen beruhigt habe, fahren wir weiter. Die Szene hat uns kräftig zu denken gegeben. Wir verbringen nun mehr Zeit mit Warten im Gebüsch, als auf der Straße.

Agave azul will soon be Tequila

Noch mehr Agave

Nach 20 langen und hoch konzentrierten Kilometern öffnen sich endlich die Straße und die Wolken. Nun geht es trocken und zweispurig weiter, mit einem breiten Seitenstreifen. Wir treffen auf sechs Wanderer. Sie kommen aus Honduras und sind auf dem Weg zur „Bestia“, dem Güterzug der an die US-Amerikanische Grenze fährt. Wir verteilen ein paar Liter Wasser und eine Tüte voller Müsliriegel, die hungrige Gruppe hat noch einen langen Weg vor sich.

Bike lane in Guadalajara

Als wir es in die Nähe des Zentrums geschafft haben, ist das Radeln in der Stadt plötzlich ganz einfach.

Die letzten 20 Kilometer sind wieder übel. Guadalajara ist die zweitgrößte Stadt des Landes und die zehntgrößte Stadt in ganz Lateinamerika. Wie da der Verkehr am Stadtrand aussieht, kann man sich ja vorstellen.

Cycling GDL

Guadalajara = GDL ist klasse zum radeln, wenn man es denn erstmal in die Stadt hinein geschafft hat

Platz gibt es keinen mehr, die Straßen sind äußerst holprig und wir werden immer wieder so eng überholt, dass ich jeden Moment damit rechne, dass mir jemand in den Lenker fährt.

Mit völlig verkrampftem Oberkörper versuche ich auf den letzten Zentimetern der Straße zu fahren und gebe dabei Gas bis wir eine Ausbuchtung erreichen, an der wir verschnaufen können. Kurz gesagt: der heutige Tag ist wirklich kein Spaß. Dabei müssen wir heute nur 500 Höhenmeter rauf.

Guadalajara here we are! Evening out with Alicia and Douglas

Gute alte Freunde in Guadalajara: Alicia und Douglas

Als wir die Colonia Americana erreichen grinsen wir beide. Ein paar Blocks später stehen wir da, wo vor fast sieben Jahren alles begann: unserer Wohnung in der Calle Libertad. Als Austauschstudentin bin ich damals in Robertos WG gezogen. Wir sehen hinauf zum Balkon auf dem wir Bier getrunken, gelacht, getanzt, Karten gespielt und Musik gehört haben. Die neuen Mieter haben einen Grill und eine Pflanze.

Balenario de Guadalajara

Hätte ich das mal vor sieben Jahren gewusst: Im Freibad “Los Camachos”das gleich außerhalb der Stadt liegt, kann man ganz toll in der Natur baden.

Los Camachos Balenario in Guadalajara

Máximos Großeltern haben das Freibad aufgebaut und es wird weiterhin von der Familie verwaltet.

Guadalajara hat sich verändert. Zu meiner Zeit gab es eine einzige Straße mit Fahrradweg, die zum Glück auf dem Weg zu meinem Campus lag. Mittlerweile ist unsere ganze Wohngegend voller Fahrradstraßen in denen Autos zwar erlaubt sind, sich aber den Radlern anpassen müssen. Es gibt zig neue Bars und Restaurant und einige neue Hochhäuser.

Karla and Antonio

Karla und Antoniohaben uns eigentlich nur zum Frühstück eingeladen, aber wir quatschen und quatschen und bleiben den halben Tag.

Roberto at work

Bei Douglas zu Hause arbeiten wir morgens in unserem “Büro”, bevor wir m späten Nachmittag losziehen und Freunde zu besuchen und Babys kennen zu lernen.

Was genau wie früher ist: unter der Woche weckt einen der mobile Gasverkäufer mit seinem Jingle „Zeta Zeta Zeta Gaaaas“ auf und Sonntags der Marimba Spieler vor dem Café Lulio. Eine Marimba ist ein traditionelles Instrument ähnlich des Xylophons, das mit mehreren Leuten und Schlägern zugleich gespielt wird.

Tasting Travels presentation outdoors in Guadalajara

Tasting Travels Draußen-Präsentation in Guadalajara

In Guadalajara halten wir drei Präsentationen und einen Workshop zum Thema Radreisen in der Casa Ciclista, einem Outdoorgeschäft, open air auf der Plaza vor der Kathedrale, sowie an der Via Recreativa. Letzteres ist ein Event das jeden Sonntag passiert.

Roberto enjoys the Via Recreativa

Roberto radelt die Via Recreativa

Tijuanense in Guadalajara

Tijuanense in Guadalajara

Eine der Hauptstraßen der Stadt wird komplett für Autos gesperrt und füllt sich von 8-14 Uhr mit Radlern, Skateboardern, Inline Skatern und Fußgängern. Am Straßenrand kann man gratis Fahrräder mieten, Tai Chi ausprobieren, Hula Hoop Reifen ausleihen, Zumba tanzen und sein Fahrrad wieder auf Trab bringen lassen.

Bike travel workshop by Tasting Travels in Guadalajara

Radreise workshop in Guadalajara

Roberto hat hier neun Jahre lang gewohnt und ich knapp acht Monate. Dementsprechend haben wir natürlich viele Freunde, die ein Bier mit uns trinken wollen. Man kann sich vorstellen, dass wir unsere zwei Wochen in Guadalajara fast komplett mit Essen und Bier trinken verbringen.

Douglas and Quiro, the designer of our new T-Shirts

Douglas und Quiro, der Designer unseres neuen T-Shirts

„Unser“ Stadtviertel hat sich gewandelt und ist nun die Hipster Hochburg der Stadt. Selten habe ich so viele Holzbrillen, lila Haare, Hosenträger und Selbstgestricktes gesehen. Die Cafés haben fast alle Bio-Leckereien im Angebot.

Bike lane in the Colonia Americana in Guadalajara

Radspur in der Colonia Americana in Guadalajara

Kin, Joana and Roberto

Erinnert ihr euch an den kleinen Kin, den wir beim Besuch von Joana und Kenji in Vancouver kennen gelernt haben? Er ist nun schon ein jahr alt und locker doppelt so groß!

Es gibt organischen Kaffee, vegane Blumenkohltortillas mit Quinoa und Rhabarberkuchen. Die Zimmerpflanzen wachsen aus kleinen Blecheimern, es hängen Retrofahrräder an der Wand, die Stühle sind aus recyceltem Holz und passen nicht so recht zueinander.

Our presentation in front of Guadalajara's Templo Expiatorio

Unsere Präsentation vor dem Templo Expiatorio

Die meisten Kellner sind tätowiert und haben lange Haare mit einer abrasierten Seite. Das Bier kommt aus lokalen Mikrobrauereien, es gibt IPA, Schokoladenbier, Sommerbier und dunkles Bier mit Fruchtnachgeschmack.

Our friend Zaira took us our for a walk down the Barranca of Huentitán

Dank unserer Freundin zaira lernen wir auch die Wanderwege der Barranca de Huentitán kennen, die gleich am Stadtrand liegen.

Die Preise sind etwas gesalzen, aber zehn, fünfzehn Minuten weiter gibt es noch altmodische und günstige Cantinas. Ein bisschen erinnert uns das Ganze an unseren ersten Eindruck in Melbourne, Australien.

Climbing up the tracks in the Barranca de Huentitán

Ganz schön anstrengend! Auf dem Rückweg klettern wir die Schienen hinauf.

Guadalajara hält uns fest und nach zwei Wochen voller Essen und Bier wundern wir uns dass wir die runden Bäuche überhaupt noch auf die Räder schwingen können. Es geht weiter in Richtung Mexiko Stadt. Lest von unserer Reise durch sattgrüne Hügel und Gewitter, vorbei an zwei Seen und zwei Straßensperren in Michoacán hier: Grünes Michoacán – Mit dem Rad quer durch Zentralmexiko

 

 

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