Gemüseschmuggel

Now we can carry Ome's message everywhere we go.

Ome reist nun immer mit uns mit – auf unseren Taschen!

Land: Thailand und Malaysia
Von Ao Nang, Krabi nach Kepala Batas, Alor Setar
Draus gelernt: Geschmuggeltes Gemüse kann am Grenzschalter Türen öffnen
Drüber gelacht: Gary, der gar nicht so betrunken war, sondern nur einen schwer verständlichen Dialekt hat
Schönstens kleines Wunder: Nach vier Jahren meinen alten Freund Apit wiederzutreffen
Gegessen: Gefüllte Rambutan, Nudeln, Curry und jede Menge Donuts und Berliner
Größte Herausforderung: Zeitdruck
Geradelte Tage: 4
Geradelte Kilometer: 357,47
Insgesamt bis Kepala Batas geradelte Kilometer: 12868,45
Reisetage von Bremen bis Kepala Batas: 700

Kepala Batas, Malaysia, September 2013: Mit dem Rad durch Thailand Teil 5

Der Wecker steht auf 6.30 Uhr, die Räder rollen dennoch erst mittags. Ich habe keine Ahnung, warum wir uns immer so schwer damit tun, einen schönen Ort zu verlassen. Vielleicht hängt die schwache Motivation mit dem strömenden Regen zusammen.

Krabi beach

Es ist wohl verständlich, dass es manchmal nicht so leicht ist, schöne Orte wieder zu verlassen.

Bis nach Krabi ist es zum Glück nicht weit. Dort steuern wir alle Fahrradläden an, die wir finden können. Ich kriege meine Gangschaltung beim besten Willen nicht alleine eingestellt und beide Bremsen machen schon seit einigen Tagen fiese Geräusche. In zwei Läden wird Zubehör verkauft, aber wir radeln lange bis wir einen Laden finden, in dem auch repariert wird. Für die Bremsklötze ist es auch höchste Zeit, das Metall greift schon die Nabe an. Die setze ich aber selbst ein. Wir schauen dem Mechaniker dabei zu, wie er das neue Gangschaltungskabel einsetzt. Das nächste Mal können wir das auch selbst in Angriff nehmen.

Tesco Thailand

Der Tesco versorgt uns mit sehr billigen fertig gekochten Essen. Sie verkaufen alternativ auch Kämme für Radler deren Helm die Frisur zerstört

Kurz darauf halten wir am Tesco für fünf klitzekleine Portionen Nudeln, zwei Mal Curry mit Reis, zehn Berliner, zwei Brownies und einen Donut. Scheinbar haben wir schnell unseren Radlerappetit wiedergefunden. Zwei Stunden bleiben noch bis zum Sonnenuntergang und wir haben erst 30 Kilometer geschafft. Geplant hatten wir ursprünglich 100 pro Tag. Wir geben Gas und reißen in den letzten 2 Stunden weitere 40 runter. Als es dunkel wird treffen wir auf zwei Männer, die uns den Weg zu einer Art LKW Pausenstation zeigen. Außer uns ist niemand da, aber es gibt eine Toilette und ein Holzdach auf Stelzen unter das wir das Mückennetz hängen können. Der Besitzer sorgt sich sehr fürsorglich um uns und bringt uns noch Wasser und eine Dose mit Ananas gefüllter Rambutan. Wir futtern als hätten wir seit Tagen nichts gehabt. 3 Berliner sind die kläglichen Überbleibsel unseres Fresspakets. Die Frösche quaken einschläfernd und die Ameisen beißen aufweckend. Irgendwann gewinnen aber die Frösche.

Desk, bed, dining room and living room combined on little more than 6 square meters

Schreibtisch, Schlafzimmer, Esszimnmer und Wohnzimmer auf kaum mehr als sechs Quadratmetern

Am nächsten Morgen sind wir um 6.30 Uhr startklar. Nach 20 Kilometern bin ich völlig platt. Die Vorderbremse hat sich zugezogen und mich die ganze Zeit über gebremst. Zehn Kilometer später entdecken wir ein kleines und sehr dreckiges Restaurant. Wir steuern es dennoch an. Es ist der muslimische Fastenmonat Ramadan und der Islam ist hier im Süden ausgeprägter als der Buddhismus. Da sind wir nicht mehr wählerisch. Hauptsache der Laden ist geöffnet. Wir brauchen Kalorien und haben keine Zeit zum kochen.

Abends treffen wir auf drei andere Radler. Ome und seine Kollegin sind Lehrer und radeln fast jeden Abend nach Feierabend mit ein paar Schülern. Heute ist nur einer dabei. Ome ist Musiklehrer und Fahrradfan.

Ome and Roberto

Ome und Roberto

Er beherbergt regelmäßig Radler bei warmshowers.org doch dieses eine Mal haben wir uns schlecht vorbereitet und gar nicht nach Mitgliedern gesucht. Spontan bietet Ome uns an, in seinem Klassenraum zu übernachten, aber vorher will er uns alle zum Essen einladen. Es schmeckt großartig und wir unterhalten uns über die südthailändische Fahrradkultur, Musik und gemeinsame Bekannte (kurz vor uns sind unsere Freunde Philipp und Pascale aus der Schweiz Ome genauso ahnungslos in die Arme gefahren). Bis wir in den Federn liegen haben wir 8 ½ Stunden lang 142 Kilometer abgestrampelt.

Ome's friends rom the bike club

Omes Freunde von Fahrradclub

Gute 100 Kilometer haben wir am folgenden Tag vor uns. Omes Freunde vom Rennradclub treffen sich bei uns an der Schule, doch wir versuchen gar nicht erst, mit ihnen Schritt zu halten. Ome hingegen begleitet uns in unserem Tempo für die ersten Kilometer, dann verabschiedet er sich. Es ist heiß und wir machen nach 27 Kilometern im ersten Dorf Pause. Dort treffen wir auf die Rennradler (sie sind bereits auf dem Rückweg) und einen jungen Chinesischlehrer, der Calorie heißt. Mit ihm nehmen wir unsere Frühstückskalorien ein. Praktischerweise kommen wir alle 25-30 Kilometer in ein Dorf und bei Sonnenuntergang haben wir es nach Satun geschafft. Am nächsten Tag wollen wir zum 8 Kilometer entfernten Pier radeln und mit einem kleinen Boot wenige Kilometer die Küste herunterfahren, um in Malaysia wieder auszusteigen.

Calorie from China

Calorie aus China freute sich, mal wieder mit anderen Ausländern zu sprechen

Wir futtern eine letzte Portion Huhn mit Chili und Basilikum und trinken Bier mit Gary aus England, den wir beide kaum verstehen. Wir rätseln wie viele Biere er wohl schon intus hat. Am nächsten Morgen redet Gary immer noch genauso. Wir haben seinen Dialekt mit einem kräftigen Lallen verwechselt.

Als wir startklar sind, ruft die Besitzerin des Gasthauses für uns beim Pier an. Da Ramadan ist, reisen die Menschen weniger und es fahren seltener Boote nach Malaysia. An diesem Morgen wollten so wenige Leute von Malaysia nach Satun fahren, dass das Boot gar nicht erst abgelegt hat und weiterhin in Kuala Perlis, Malaysia parkt. „Morgen vielleicht“, versucht sie uns aufzuheitern. Doch auf morgen wollen wir nicht warten.

Thai Basil Chili Chicken

Eine letzte Portion Basilikum-Chili-Huhn bevor es ab in neue Köstlichkeiten geht

Fahr zwei Jahre lang sind wir geradelt, nun wollen wir endlich die Grenze nach Malaysia übertreten. Dann radeln wir eben über die nächste Landgrenze. Das bedeutet allerdings, dass wir statt 58 Kilometern ganze 130 vor uns haben, um bei meinem Freund Apit in Kepala Batas anzukommen. Das schaffen wir nie an einem Tag. Wir planen hin und her, als Apit vorschlägt, uns an der Grenze abholen zu kommen. Perfekt!

Ich mache mich auf steile Auffahrten gefasst. Alle haben mich vor den Bergen um die westlichste Landgrenze herum gewarnt. Doch 35 heiße Kilometer lang bleibt es recht flach, dann steigt es leicht an.

Welcome to Malaysia

Auf der anderen Seite der Grenze

Nur der letzte Kilometer ist wirklich steil. Ein netter Mann hält uns an und schenkt uns drei Hülsen voll Riesenbohnen, die ich am Lowrider fest mache. Oben angekommen keuchen wir mit verschwitzten Gesichtern an den Ausreiseschalter. „Mit dem Rad hier?“, fragen die Beamten neugierig und schauen zu den Rädern herüber. Sie stempeln unsere Pässe und drücken uns anschließend eine Tüte voller lokaler Früchte in die Hand. „Das könnt ihr bestimmt gut gebrauchen“, zwinkern wir uns zu. Ich denke zurück an den letzten recht unfreundlichen Grenzübergang und bin völlig aus dem Häuschen.

One last cheap beer at the border

Ein letztes billiges Bier nach getaner Arbeit an der Grenze

So nette Grenzbeamte trifft man selten. Auf dem Weg zum Einreiseschalter fahren wir an einem großen Schild vorbei, auf dem steht, dass die Einfuhr von Agrarprodukten verboten ist. Die Früchte stopfe ich in den Vorderkorb, doch die Bohnen hängen noch am Lowrider, als wir an den ersten malaysischen Beamten vorbeifahren. Die beiden grinsen nur, deuten auf die Bohnen und freuen sich, dass uns die lokale Küche so gut schmeckt.

Wieder werden wir freundlich begrüßt und zum ersten Mal seit Georgien vor über einem Jahr, bekommen wir kein Visum in den Pass geklebt, sondern nur einen einfachen Stempel und einen kleinen Aufkleber. Das war ja einfach. Im Duty Free Laden kaufen wir noch ein wenig billiges Bier. Bis Südamerika werden wir wohl von nun an Spitzenpreise für Alkohol zahlen müssen.

Apit, Annika and Roberto

Apit, Annika und Roberto

Als die zweite Dose leer ist, kommen zwei Autos auf uns zu. Apit grinst übers ganze Gesicht und ich renne ihm in die Arme. Vier lange Jahre sind vergangen, seit wir uns in Bremen das letzte Mal gesehen haben. Wir quatschen die ganze Fahrt lang und sind völlig aufgekratzt. Roberto fährt bei Apits Freund Achik mit, der sehr neugierig auf die Besucher war und sofort seine Hilfe anbot, als Apit ihn nach Bei Sonnenuntergang kommen wir an. Apit nimmt das erste Mahl und Getränk des Tages ein und wir bereiten uns mental darauf vor, ebenfalls die letzten beiden Tage bis Hari Raya (Zuckerfest) mitzufasten.

And withing minutes four years turned into few days

Innerhalb von wenigen Minuten fühlt es sich an, als wären keine vier Jahre sondern höchstens vier Tage vergangen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.

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