Ankara, Türkei, April 2012
Wir zelten viel und haben immer unser eigenes Klopapier dabei. Wir sind nicht sonderlich wählerisch was unser stilles Örtchen angeht. Dennoch, auf die Brille würde ich mich nicht bei jedem beliebigen Tankstellenklo setzen. In der Türkei ist das oftmals auch gar nicht nötig. Hier gibt es viele Türkische Toiletten (Alaturka), ein kleines Loch im Boden mit einer Klappe davor und zwei Flächen links und rechts für die Füße. Doch die korrekte Benutzung dieser Toiletten klingt einfacher, als sie ist.
Türkische Toilette
Es fängt schon mit dem Betreten des Raumes an. Dort liegt ein Paar Gummilatschen im Eingang. Wer die wohl hier vergessen hat? Die Latschen gehören aber hier hin und dienen der Sauberkeit. Jeder Besucher tauscht an der Klotür seine sauberen Hausschuhe für diese Gummilatschen aus und wechselt sie nach Beendigung des Geschäfts wieder zurück. So bleiben die Toilettenkeime wo sie hingehören – im WC (und vielleicht auf dem Fußboden drum herum). Natürlich werden die Latschen auch nach dem Geschäft wieder zurückgetauscht. Wer eine längere Sitzung hinter sich hat, dem kann passieren, dass er den Tausch vergisst, die Füße gewöhnen sich schnell an den Komfort der Badelatschen.
Als ich das erste Mal in einem Privathaus eine solche Toilette benutze, hatte ich schon vorher die Gelegenheit, an öffentlichen Toiletten zu „üben“. Um Sauerei zu vermeiden, habe ich nach einigen Malen üben herausgefunden, dass Frauen sich für kleine Geschäfte nicht wie gewöhnlich mit dem Kopf zur Tür hinhocken sollten, sondern mit dem Kopf zur Wand und dem Hintern zur Tür.
So trifft der Strahl das Loch (nach etwas Übung) in einem günstigen Winkel und der Fußboden wird nicht mit Sprenkeln übersät. Für das große Geschäft wird die Position gewechselt, sodass sich das Loch direkt unter dem Hintern befindet. Ich habe allerdings noch nicht herausgefunden, was zu tun ist, wenn das große und kleine Geschäft kombiniert herauswill. Männer stellen sich vor das Loch wir vor ein Urinal. Sie kennen das ja schon.
Wer sich erleichtert hat, wird oft ergebnislos das Toilettenpapier suchen. Wir haben ja unser eigenes dabei und sind auch schon im Abwischen mit Blättern und Gras geübt (glücklich sind die, die auf dem Land aufwachsen und viel in der Natur spielen). Somit kamen wir bisher nie in die Situation, durch die Tür nach Papier rufen zu müssen. Das Papier kommt übrigens meistens wegen Verstopfungsgefahr in den Abfalleimer.
Nun wird gespült. Es gibt meistens einen Spülknopf und dazu einen kleinen Messbecher mit einem extra Wasserhahn in Bodennähe.
Es erschien mir logisch, dass der Messbecher zum Wasser sparen nach kleinen Geschäften gedacht ist und der Knopf zum reinigen gröberer Verschmutzungen. Doch auch hier habe ich mich geirrt. Der mit sauberem Wasser gefüllte Messbecher ersetzt das Toilettenpapier! Statt der Trockenreinigung wird hier der Hintern mit kaltem Wasser abgewaschen. Scheint sehr hygienisch, aber es ist nicht ganz einfach, den richtigen Ansetzwinkel zu finden. Womit man sich danach abtrocknet habe ich allerdings noch nicht herausgefunden. Ich persönlich bleibe daher lieber beim guten, alten Klopapier.
Liebe Leser, nun seid ihr bestens auf eine Türkeireise vorbereitet. Aber zur Beruhigung: Besonders in touristischen Gegenden haben die meisten Pensionen und öffentlichen Tankstellen auch eine Toilette zum draufsetzen. Oft kombiniert mit einem kleinen Röhrchen am hinteren Rand, aus dem Wasser kommt, sodass die Benutzer nicht auf ihr kaltes Abwaschwasser verzichten müssen.
Ich habe mich mittlerweile mit dieser Art der Erleichterung angefreundet. Keine fremden Urintröpfchen auf der Brille, und kein Warten auf den zeitungslesenden Partner. Es gibt kaum einen Mann, der in der unbequemen Hockstellung länger verweilt, als nötig.





Bei kaltem Abwaschwasser hab ich erst kaltes Arschwasser gelesen, trifft es aber auch ganz gut
Hey Flo, ich habe mich bemüht, solche Worte zu umgehen – aber wenns zur Belustigung beiträgt freu ich mich.
haha großartig!
Daaaanke meine Liebe, wir geben uns Mühe und schrecken auch vor Selbstversuchen nicht zurück
Gruß und Kuss von der Schwarzmeerküste!
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